„Seifenblasen, die nicht platzen. Eine Sprache, die alle verstehen. Einen Flugschweberoller.“ Alles Dinge, die es unbedingt geben sollte. Und was man auf jeden Fall wissen sollte: „Was der Wind macht, wenn er nicht weht.“ In dem von Carola Holland frech illustrierten Bilderbuch wird keine durchgängige Geschichte erzählt, sondern die Fantasie, das Gefühl für die Verbundenheit mit allen Lebewesen und die Freude am Schenken aktiviert. Es ist ein Mutmacherbuch. Es erinnert an Leo Lionnis „Frederick“, der seinen Mäusefreunden im harten Winter die warmen Farben des Sommers in die Unterkunft zu zaubern versteht. Ein poetischer Bilderbogen. Edith Schreiber-Wicke: Du wirst den Mond vom Himmel holen. Illustriert von Carola Holland. Ab vier Jahre (32S., Hln., 15,40 €; Thienemann Verlag, Wien).
Der Nahrungskette entlang.
„Eines Tages waren Louis und seine große Schwester draußen im Wald, doch unglücklicherweise wurde Louis dort von einem Schluckster gefressen.“ Der für fantasievolle Bilderbücher bekannte Moritz Verlag hat diese entzückende Geschichte herausgebracht. Sarah macht sich sofort auf, um ihren Bruder zu retten. Doch das ist nicht so einfach, denn sie muss vom Grabscherix bis zum Säbelzahn-Schlinger eine lange Nahrungskette verfolgen – bis sie Louis wiederfindet. Der ist zum Glück unverletzt und nun seinerseits aktiv, um seine Schwester vor den gruseligen Ungeheuern zu bewahren. John Fardell: Der Tag, an dem Louis gefressen wurde. Aus dem Englischen von Bettina Münch. Ab vier Jahre (32S., geb., 13,40 €; Moritz Verlag, Frankfurt/Main).
Migranten des Himmels.
„Luka lernte die Vögel immer besser verstehen und auch Paulinchen konnte schon ein paar Sätze in Lukas Sprache: ,Ich möchte bitte eine halbe Palatschinke.‘“ Wer redet da? Ein Vogel, der sich mit einem Menschen angefreundet hat. Der 1980 in Niederösterreich geborene Michael Roher illustriert seine gleichermaßen einfachen wie vieldeutigen Geschichten selbst. In diesem Fall geht es um Zugvögel, die wie Menschen aussehen, wie Migranten. Als der Herbst kommt, sollen die Vogelmenschen weiterziehen. Die nette Frau Lorenz nimmt sie jedoch in ihrem imposanten Baumhaus-Nest auf. Von Michael Roher sind auch die Bilderbücher „Fridolin Franse frisiert“ und „Zu verschenken“. Michael Roher: Zugvögel. Text und Illustration. Ab fünf Jahre (32S., geb., 14,90 €; Picus Verlag, Wien).
Einen Kuchen für das Schulfest.
„Mama hat Ärger gehabt. Das sehe ich an ihrem Gesicht. Meine Mama ist Fotografin und hat immer viel Arbeit.“ Zu Christine Nöstlingers köstlichen Schulgeschichten vom Franz gibt es ein weibliches Pendant: Wanda. Sie beschäftigt, was Schulkinder eben so beschäftigt: Wird die beruflich stark engagierte Mama einen Kuchen fürs Schulfest backen? Wie wird die Nachbarin nach dem Tod ihres Hundes das Geschenk ihres Mannes, einen Welpen, aufnehmen? Wer spielt im Schultheater das Schneewittchen und wer den Prinzen? Und wieso brüllt Ezra, dessen Wackelzahn ausgefallen und verschwunden ist? Dagmar Geisler: Wandas erste Schulgeschichten. Text und Illustration. Ab sechs Jahre (112 S., brosch., 10,30 €; Deutscher Taschenbuch Verlag, München). Insgesamt gibt es fünf Wanda-Bücher.
Friedhof statt Wolkenkratzer.
„,Was ist, du Spast, hast du keine Augen im Kopf?‘, hat er mich angebrüllt: ,Verpiss dich!‘“ Valentin aus Kasachstan hat sich gut in Deutschland eingelebt, doch seine Mutter wird Marktleiterin in einer Drogeriekette. Das erfordert den Umzug in eine andere Stadt. Dort freundet sich Valentin mit dem Friedhofswärter und einem türkischen Buben namens Mesut an, der ähnliche Probleme hat wie er: Entwurzelung, Heimweh. Kirsten Boie ist mit der Geschichte des Jungen, der Gedanken lesen kann und sich auf dem Friedhof mit allerlei sonderbaren Gestalten wohler fühlt als im zwölfstöckigen Wolkenkratzer, wo er mit seiner meist abwesenden Mutter wohnt, ein genau beobachtetes Buch gelungen. Integration, das papierene Bürokratenwort, wird plötzlich lebendig. Kirsten Boie: Der Junge, der Gedanken lesen konnte. Ab zehn Jahre (320S., geb., 15,40 €; Oetinger Verlag, Hamburg).
Freundschaft mit Fischadler.
„Wir beobachteten, wie das Weibchen seine Kreise immer tiefer zog, bis es auf einem Baum in der Nähe des Männchens landete.“ Schottland ist nicht nur für Reisende sehr in Mode. Der brave Callum und die wilde Iona dürften sich im Grunde nicht anfreunden, Callums Kumpane sind da strikt dagegen. Trotzdem passiert es, ein Fischadler begleitet die zarten Bande. Doch Iona stirbt an Gehirnhautentzündung. Callum muss sich um das Fischadlerweibchen kümmern, das ins Winterquartier nach Afrika fliegt. Eine zauberhafte, weitreichende Geschichte ist der in Bath aufgewachsenen Gill Lewis gelungen. Sie hat von Kindesbeinen an Tiere beobachtet, da ihre Eltern einen Zoo und eine Krankenstation für Insekten, Mäuse und Vögel hatten. Gill Lewis: Der Ruf des Kulanjango. Aus dem Englischen von Siggi Seuß. Ab zehn Jahre (232 S., brosch., 9,90 €; Deutscher Taschenbuch Verlag, München).
Das magische Licht im Wald.
„Etwas Helles, so hell wie ein Blitz, zischte auf die Geisterreiter zu. Es flirrte und flatterte. Es leuchtete und strahlte. Ein magisches Licht!“ Laurenz ist sauer. Seine Eltern haben ihn in ein Internat abgeschoben. Sie sind nun sogar in den Ferien beschäftigt. Als Anwälte betreuen sie ihren ersten Fall in Amerika. Laurenz wird bei der Großmutter in Gmunden am Traunsee untergebracht. Bei einem Waldspaziergang mit Omas Hund Zottel findet Laurenz einen magischen Stein. Der idyllische Sommer dauert nur kurz, denn es stellt sich heraus, dass Laurenz die Welt retten muss. Zugegeben, der Inhalt dieser Geschichte ist nicht brandneu, aber sie ist charmant erzählt, das heimatliche Lokalkolorit stimmt, das Buch hat etwas von altmodischen Sommerfrische-Abenteuerbänden. Die Sozialpädagogin Michaela Holzinger lebt mit Familie und Tieren in Vorchdorf. Michaela Holzinger: Laurenz und der Stein der Wahrheit. Ab elf Jahre (156 S., brosch., 10,95 €; Obelisk Verlag, Innsbruck).
Emigration als Abenteuer.
„Zitternd kam sie zu Hause an. Ihre Knie waren so weich, dass sie nicht mehr die Kraft hatte, das Rad nach oben zu tragen. Von der Treppe hörte sie die Mutter rufen: ,Inge! Wo warst du denn so lange, Kind?‘“ Yinna aus China, kurz Ina genannt, kommt 1937 nach Deutschland und erlebt dort den Zweiten Weltkrieg: Die Germanistin und Sinologin Susanne Hornfeck hat ihre Geschichte in dem Buch „Ina aus China“ erzählt. Hier ist nun die Fortsetzung: „Torte mit Stäbchen“ handelt von der neunjährigen Konditorstochter Inge, deren Eltern vor den Nazis nach Schanghai flüchten. Für Inge ein Abenteuer. Doch das Leben in Schanghai in den 1940er-Jahren ist hart. Inge aus Brandenburg lernt Chinesisch, findet Freunde und fühlt sich schneller heimisch als ihre Eltern, vor allem die Mutter verfällt anfangs in eine Depression: Lebendig, detailreich in den Schilderungen des Lokalkolorits ist dieses Buch, das wohl auf peniblen Recherchen basiert und ein enormes Gespür für Heranwachsende zeigt. Susanne Hornfeck: Torte mit Stäbchen. Eine Jugend in Schanghai. Ab zwölf Jahre (372 S., brosch., 9,99 €; dtv bei Hanser, München).
Entdeckung der wahren Herkunft.
„Lass nichts aus, hörst du? Die Verletzten, die zerfetzten Waggons, das Feuer, alles!“ Bei einem Zugunglück im Kaukasus rettet die Bäuerin Gloria ein französisches Baby, das unter dem Namen Koumaïl bei ihr aufwächst. Im Krieg müssen Gloria und ihr Pflegesohn fliehen. Sie beschließen, sich nach Frankreich durchzuschlagen. Nahe der ungarischen Grenze verschwindet Gloria. Koumaïl kommt ohne sie in Frankreich an. Zum Glück hat sie ihm seinen Reisepass eingepackt: „Ich heißt Blaise Fortune und wurde am 28. Dezember 1985 in Mont-Saint-Michel geboren, ich bin Bürger der Französischen Republik“ wiederholt der Bursche gebetsmühlenartig. Doch keiner glaubt ihm. Jahre später reist er nach Tiflis und trifft Gloria wieder. Sie entdeckt ihm das Geheimnis seiner wahren Herkunft. Ein Jugendbuch, das an Begleys „Lügen in Zeiten des Krieges“ erinnert. Anne-Laure Bondoux: Die Zeit der Wunder. Aus dem Französischen von Maja von Vogel. Ab zwölf Jahre (192S., geb., 13,30 €; Carlsen Verlag, Hamburg).
American Life in Paris.
„Sein Charme gefällt mir. Aber so leicht gehe ich ihm nicht auf den Leim! Schließlich ist er Franzose.“ Junge Amerikanerinnen in einem Pariser Internat: Die Reihe der Kalifornierin Lucy Silag erzählt in leichtem und flottem Ton, nah am Zeitgeist, von erster und nächstbester Liebe, von einem Mädchen, das mit seiner Schwester verschwindet und wieder auftaucht, von wilden Partys, abenteuerlustigen Jugendlichen, ihrer Mode und ihren Torheiten. Geld ist genug vorhanden in diesem Milieu, aber es schützt nicht vor Einsamkeit und Enttäuschungen. Silags Buch ist auch für Erwachsene, die wissen wollen, was in ihren pubertierenden Töchtern vorgeht. Lucy Silag: Beautiful Americans. Leben à la carte. Ab 13 Jahre. Aus dem Amerikanischen von Janka Panskus (336S., brosch., 14,40 €; Thienemann Verlag, Wien).
„Beim Kartenspielen gewinne ich immer gegen Oma. Sie spielt mit mir Cowboy und Indianer.“ Heute ist Niki ein Musterknabe, er isst sogar sein Gemüse. Denn er darf zu Oma und bei Oma darf er alles. Sie baut mit ihm Modellflugzeuge, geht mit ihm ins Spielzeuggeschäft, kocht seine Lieblingsspeisen. Niki schaufelt Gummibären in sich hinein, trinkt Cola, isst Chips und schläft mit Oma auf der Couch beim Fernsehen ein. Am nächsten Tag ist er froh, als Mama ihn abholt und geht sogar pünktlich schlummern. Sophie Schmid: Bei Oma darf ich alles, Bilderbuch, Picus-Verlag, 14.90, ab 4J, von der gleichen Autorin ist auch „Opa ist der Größte“, ebenfalls Picus.
„Rüssel schwimmt schon weit draußen auf dem Meer, als sein Boot plötzlich auf Grund läuft. ,Wo kommt denn die Insel her?', schimpft er.“ Rüssel ist mit seiner Badewanne auf einem Wal aufgelaufen, der alsbald bedrohliche Wasserfontänen zu sprühen beginnt. Das passiert, wenn ein Einsiedler sich von einem fahrenden Hasen-Seemann aufscheuchen und verführen lässt mit einer Geschichte, deren Ende nicht verraten wird. Auch das Ende dieses Buches wird nicht verraten, aber: Rüssel erlebt, nachdem er seine Klause verlassen hat, tolle Abenteuer.
Will Buckingham/Thomas Docherty (Illustration): Rüssel und der Hase, Ars Edition, Bilderbuch, 13.40€, ab 4J.
Welcher Europäer sah als erstes die Insel, die heute Manhattan ist? Was sind Moais? Ist es wahr, dass die Erfindung der Dampfmaschine auf einen Teekessel zurückgeht? Auf dem großen und didaktisch wohl organisierten Wissensmarkt für Kinder und Jugendliche (z. B. Ravensburger) ist dieses Buch etwas Besonderes. Es bewegt sich kreuz und quer durch die Wissensgebiete, über Industriegeschichte ist hier ebenso nachzulesen wie über Kunstgeschichte. Erzählt wird ferner von Eroberungen, Revolutionen, Erfindungen. Der Text ist unkompliziert, die Illustrationen sind modern. Instruktiv mit Glossar, Internet-Hinweisen z. B. auf eine Kinderzeitmaschine (8-13J).
Tim Cooke: Wie man mit einem Bindfaden die Welt verändert. Besondere Zufälle und andere Dinge, die Geschichte machten, Bloomsbury, 86S, 17.40€, ab 7J
„Eines Tages war es soweit. Ein Brief kam, dass wir unseren Trabant abholen können. Die Mutter war nicht erfreut. Sie meinte: ,Jetzt bin ich abgeschrieben.'“ „Ostalgie“ verbreitet Ottokar, der Schalk von Ottokar Domma, alias Otto Häuser, Domma heißt auf Russisch Häuser. Häuser (1924-2007) beschreibt auf äußerst amüsante und satirische Weise die Erlebnisse eines 12jährigen Schülers in der ehemaligen DDR. Pionier Ottokar soll eine Zeitung herausbringen, sein Mitschüler liefert dafür einen Bericht über eine Theateraufführung von „König Drosselbart“ im Stile eines Fußballmatches. Vorzugsschülerin Bärbel Patzig geht allen auf die Nerven - und weil Ottokar nicht zum Direktor vordringen kann, bleibt ungemeldet, dass dessen Haus unter Wasser steht. Oma findet nackte Menschen im Fernsehen untragbar, Ottokars Schwester Jana klärt sie auf: „Die zwei lieben sich doch bloß, und wenn sie die Pille einnehmen, passiert gar nichts, und sie können besser schlafen.“
Otto Häuser: Ottokar, der Schalk, illustriert von Manfred Bofinger, 158 Seiten, Eulenspiegel Verlag, 9.95, ab 10 Jahre.
„Während Piso seine Wachstafel aufklappte und einen Messingstift hervorzog, kamen die vier Ausbilder zu ihm herüber und stellten sich nebeneinander vor die Reihe der Sklaven. Marcus beobachtet sie mit ausdruckslosem Gesicht, aber seine Gedanken waren voll trauriger Erinnerungen.“ Als Kind muss Markus den Tod seines Vaters miterleben, der keine Steuern zahlen will. Der Bub wird verschleppt, als Sklave verkauft und zum Gladiator ausgebildet. Wird er seine Mutter jemals wiedersehen? Ist Marcus am Ende nicht der Sohn eines römischen Soldaten, sondern stammt vom Gladiator und Führer des Sklavenaufstandes Spartakus ab? Ein packender historischer Roman, der allerdings ziemlich grausam ist.
Simon Scarrow: Marcus Gladiator. Kampf für Freiheit, übersetzt von Ulrike Seeberger, Serie, Ars Edition, 320 S, 15.50€, ab 10J
„Die ganze Familie, selbst Peaseblossom, ging an Deck, um einen ersten Blick auf die Freiheitsstatue zu werfen. Nach der langen Fahrt übers Meer war es herrlich, wieder Land zu sehen.“ Rachel (12), Jane (10), Tim (8) leben in einer glücklichen britischen Nachkriegsgroßfamilie. Doch der Vater leidet an Depressionen: Er hat ein Kind überfahren, das seinem Ball nach auf die Straße lief. Seither kann der Journalist nichts mehr schreiben. Bei Tante Cora in Kalifornien soll er sich auskurieren. Die Familie muss mit. Die begabte Tänzerin Rachel wird nicht im Theater auftreten, was wird mit Tim, der sich nur fürs Klavierspielen interessiert in Tante Coras klavierfreiem Haushalt? Und Jane muss ihren geliebten Hund hergeben. Doch in Amerika geschehen allerlei kleine und größere Wunder. Ein sympathisches, altmodisches Buch aus der Zeit, als Familien bei allen Schwierigkeiten, intakt waren. Irgendwie. Die Britin Noel Streatfeild (1895-1986) war Schauspielerin, ihre Geschichten sind Kinderbuch-Klassiker. Noel Streatfeild: Filmschuhe, üersetzt von Gerda Bean, 352 Seiten, Carlsen, 17.40 Euro, ab 10 J. Streatfeilds „Schuh“-Kinderbücher-Serie („Ballettschuhe“, „Zirkusschuhe“ usw.) wurde bei Carlsen neu aufgelegt.
„Ihr habt sicher schon kapiert, dass sie von Islands Vater reden. Die PauliGang weiß alles über den Hundskerl . . .“ Dies ist ein Buch in Form einer russischen Puppe. Das Einfache zuerst: Vier elfjährige Buben bilden eine Gang und erleben wilde Abenteuer. Das ist in diesem Fall kein Satz aus einem Klappentext, es sind wirklich wilde Abenteuer, sprachlich, aber auch mit gestaltwandlerischen Erwachsenen. Die Jungs verbergen ebenfalls ihre wahre Identität hinter komischen Namen wie Rudolpho oder Zement. Der Autor ist der fantasievolle Kroate Zoran Drvenkar, der sich das Pseudonym Victor Caspak & Yves Lanois zulegte, u. a. weil er sich sorgte, dass die in Kanada spielende Geschichte Spott und Hohn erregen könnte, weil Drvenkar nie in Kanada war. Alles ist künstlich, ein Fake jagt den anderen in diesem hinreißenden Stück Pop-Literatur für Kinder, das den Deutschen Jugendliteraturpreis gewann. Das Buch zeigt ferner die Recycling-Praktiken im Verlagswesen. Die erste Ausgabe erschien beim Potter-Verlag Carlsen. Inzwischen gibt es verschiedene Ausgaben, optisch wie inhaltlich.
Zoran Drvenkar (Pseudonym: Victor Caspak und Yves Lanois) Die Kurzhosen-Gang & das Totem von Okkerville, illustriert von Martin Baltscheit, cbj, 453 S. 15.99 Euro, ab 10J. Von Zoran Drvenkar gibt es auch einen Werkstattbericht mit Leseprobe seines Buches „Der letzte Engel“, ab September 2012 bei cbj. Dvenkar, ein Fantasy-Autor neuen Typs.
„,Zero', zische ich über den Tisch. ,Hey, bleib locker, Alte.' ,Das kannst du hier nicht machen.' ,Die sollen sich nicht so anstellen.'“ Hanna macht ein Praktikum bei der Organisation „Street Work“, was unter 18 Jahren eigentlich nicht erlaubt ist. Aber die Eltern, beide Ärzte, ebenfalls sozial engagiert, machen es möglich. Hanna erlebt nun wahrhaft blaue Wunder mit wütenden, verlassenen, drogensüchtigen Kids. Eines davon ist das Mädchen Zoe, die einerseits äußerst ruppig, andererseits hartnäckig nicht von Hanna ablässt und sich mit ihr anfreunden möchte. Eines Tages verschwindet Zoe.
Brigitte Kolloch, Elisabeth Zöller Lady Zero. Ein Mädchen auf der Straße. Klopp-Verlag, 192 Seiten, 10.30€, ab 13J.
Zwölf Jahre ist es her, dass die aus deutsch-österreichischer Familie stammende, 1964 in Kopenhagen geborene Jane Teller, Staatswissenschaftlerin und Makroökonomin, mit dem Jugendroman „Nichts was im Leben wichtig ist“ eine heftige Debatte über die Moral junger Menschen auslöste. Als Lektüre in dänischen Schulen war der Roman, ein „Spiegel-Bestseller“, anfangs verboten. Nun ist die Taschenbuch-Ausgabe erschienen: Ein Junge namens Pierre Anthon verwirrt seine Klassenkameraden mit nihilistischen Ansagen: „Nichts bedeutet irgendetwas, deshalb lohnt es sich nicht, irgendetwas zu tun.“ Die Mitschüler wollen ihm das Gegenteil beweisen und sammeln Bedeutungsvolles für eine Art Kunstwerk, sie opfern nach und nach, was für sie wichtig ist, und das wird immer grausiger. Mit einem Märchen verglich Teller ihr Buch, ein modernes Märchen, das die Brüder Grimm erröten ließe, ist diese Geschichte auch. Der Vergleich mit William Goldings „Herr der Fliegen“ ist stichhaltig: Kein erbaulicher, aber erschreckend spannender Lesestoff für alle Altersgruppen.
Janne Teller: Nichts was im Leben wichtig ist, Übersetzung: Sigrid C. Engeler, dtv, Reihe Hanser, 138 Seiten, 7,20 Euro, ab 14J.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.06.2012)















