Brack und Schlick

Das riesige Gebiet des Niger-deltas ist ökologisch ruiniert. Pipelines ziehen sich endlos durch übel riechende und ölgesättigte Erde. Marodierende Soldaten massakrieren die Bewohner. „Öl auf Wasser“ – Helon Habilas beklemmender Roman zwischen Reportage und Thriller.

Das Delta des Niger, in dem der afrikanische Fluss ungeheure Wassermassen in den Atlantik rollt, ist 200 Kilometer breit und ökologisch völlig ruiniert. In der Region mit ihren Sumpfwäldern, Inseln, Flussarmen, Tausenden Dörfern und wenigen großen Städten leben 30 Millionen Menschen, deren Lebenserwartung seit Jahrzehnten stetig sinkt. Ihr Elend gründet im Reichtum, denn im Nigerdelta sprudelt das Öl, über zwei Millionen Fass täglich bauen Shell, Chevron, Total und andere Konzerne ab. Sie haben ein Gebiet von der Größe Nieder- und Oberösterreichs mit einem Netz aus Bohranlagen, Pipelines und Abgasfackeln überzogen, die alle Tage brennen und ihr tödliches Gift ungefiltert in die Luft schleudern. Aus beschädigten Pipelines fließt unablässig Öl in den Fluss, den ein schwarzer Teppich überzieht, unter dem alles Leben erstickt ist. Im Nigerdelta herrscht die Apokalypse, denn die Konzerne, an deren Zapfsäulen wir alle Tage das Benzin in die Tanks unserer Autos füllen, haben ihre Bohrtürme errichtet, wo immer es ihnen günstig erschien, mitten in der Lebenswelt von Millionen, die unter den Schwaden giftiger Abgase, in den Tümpeln ausgelaufenen Öls, in Dörfern aus Brack und Schlick leben müssen.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.09.2012)

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