Das Leben ist kein Strom

Am Anfang war das Wasser: In „Quellen, Ströme, Eisberge“ verfolgt Hans Blumenberg, Begründer der Metaphernforschung, die Spuren der Wassermetaphorik. Eine posthume Entdeckung.

Im Tiefengestein des Deutschen Literaturarchivs Marburg schlummert eine scheinbar unerschöpfliche Quelle, nämlich der Nachlass Hans Blumenbergs, aus dem ein steter Zustrom von Texten ans Licht und die Öffentlichkeit tritt. Der beliebte Philosoph, dessen freie Redekunst auch das Bildungsbürgertum zu seinen Vorlesungen anzog, verstarb 1996. Posthum ist von Blumenberg seither schon fast mehr veröffentlicht worden als zu seinen Lebzeiten, was seine Bedeutsamkeit – insbesondere für die Metaphernforschung, die er begründete – unterstreicht. Seine ersten Arbeiten hierzu erschienen schon 1957 mit seinem Text „Licht als Metapher der Wahrheit“, dem drei Jahre später die „Paradigmen einer Metaphorologie“ folgten. 1977 vereinbarte Blumenberg mit Siegfried Unseld ein Großprojekt zum Thema der Metapher, das Band für Band erscheinen sollte. Sein Klassiker „Schiffbruch mit Zuschauer“ wurde der erste Titel in dieser Reihe im Suhrkamp Verlag. 1980/81 arbeitete Blumenberg an den drei Wassermetaphern des Eisberges, der Quelle und des Stromes. Vielleicht lag es am Ausufern des Materials, dass diese Bände nie realisiert wurden, obgleich Blumenberg bis zuletzt weitere Einträge sammelte. Blumenberg hat zeitlebens mit Zettelkästen gearbeitet und nicht nur aus Büchern, sondern auch aus Zeitungen und Zeitschriften, dem Fernsehen, sogar vom Quelle-Versandhaus oder dem Finanzamt mit seinen Steuerquellen und Quellsteuern Belege gesammelt. In seinem Nachlass befinden sich über 30.000 Karteikarten, aus denen er für seine Essays, Bücher und Vorlesungen schöpfen konnte.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.10.2012)

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