Der letzte Bischof

Dadaist, Sozialist, Christ. Das Denken Hugo Balls nahm einen erstaunlichen Weg. In einer profunden „Intellektuellen Biografie“ zeichnet Wiebke-Marie Stock die krumme Linie vom Dramaturgen zum Asketen nach.

Zürich 1916. „gadji beri bimba glandridi laula lonni cadori.“ Da steht er in einem kubistischen Kostüm aus Karton auf der Bühne des Cabarets Voltaire und rezitiert seine „Verse ohne Wörter oder Lautgedichte“ im Stil des Messgesangs, „wie er durch die katholischen Kirchen des Morgen- und Abendlandes wehklagt“. Hugo Ball als „magischer Bischof“. Es war die Rolle seines Lebens, und der Moment, da er die uralte Kadenz der priesterlichen Lamentation sprach,war ein Wendepunkt. Plötzlich erkannte er, dass im Klang der Silben, welche viele Bedeutungen streiften, jedoch gegen alle Instrumentalisierung gefeit waren, etwas Unzerstörbares hervortrat: ein kultischer Klang und Rhythmus. Es war Balls Entdeckung des Urgrunds der korrumpierten Sprache.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.12.2012)