Manche Leoparden saufen Blut

Moacyr Scliar baut aus einem Kafka-Satz einen feinen Roman.

Im Roman „Kafkas Leoparden“ von Moacyr Scliar kommt ein Stück Papier aus der Ukraine nach Brasilien und befreit nach Jahrzehnten einen Studenten aus den Klauen von Folterern. Wenn Franz Kafka nicht gerade an größeren literarischen Formen arbeitete, notierte er sich auch kleine Gedankenwölkchen – Aphorismen wie: „Leoparden brechen in den Tempel ein und saufen die Opferkrüge leer; das wiederholt sich immer wieder; schließlich kann man es vorausberechnen, und es wird ein Teil der Zeremonien.“ Diesen Satz kann man verschieden interpretieren, etwa als Bild vom Entstehen der Traditionen – der brasilianische Autor Moacyr Scliar (1937 bis 2011) jedenfalls baute rund um ihn einen wunderhübschen kleinen Roman.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.10.2013)

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