Sein und Unzeit

Seit der Edition der „Schwarzen Hefte“ Martin Heideggers macht der Begriff des „seinsgeschichtlichen Antisemitismus“ die Runde. Ist das Denken des Philosophen im innersten Kern vergiftet, ist er ein „Gedankenverbrecher“? Oder liegen seine Begriffe jetzt gerade auf der geistigen Schlachtplatte? Versuch zwischen den Fronten.

Bevor ich meine Doktorarbeit zu schreiben begann, führte ich ein Dissertationsgespräch – es war das erste und letzte – mit meinem Mentor Ernst Topitsch. Damals war er mir wohlgesinnt, denn in seinen Seminaren produzierte ich mich als Kritiker der sogenannten Frankfurter Schule, namentlich eines ihrer Schulhäupter, Theodor W. Adorno. Adorno hatte, zusammen mit Max Horkheimer, bald nach dem Zweiten Weltkrieg, 1947, die endgültige Fassung der späterhin berühmten „Dialektik der Aufklärung“ publiziert – ein rotes Tuch für geradlinig Liberale, die trotz allem an Vernunft und Fortschritt glaubten. Konzipiert wurde das Werk der beiden Autoren noch im amerikanischen Exil.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.03.2014)

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