Die Tagebücher 1936 bis 1941 Virginia Woolfs, ihr Gang auf ein Ende in ziselierter Wahrnehmung durch die Sprache hindurch, der den Tod am Grat von zerbrechliche und erstarrte Welt heraufbeschwört, und deren Erfassen im anderen kriegsfreien Zustand einfordert, und dies im lebensbeendenden Paradox selbst einzulösen hat.
Bruno Schulz' Zimtläden, wo die Musikalität des Wortes im Erschauen der inneren Bilder die äußere Umgebung der galizisch-väterlichen Welt (von den Schneiderpuppen bis zu den Kakerlaken hin) poetisiert, die Erinnerung als kindhaft gegenwärtige Wahrnehmung evoziert, mit der Ahnung, ja Gewissheit vom nie Festzuhaltenden des Gewinns.
Elke Erbs Sonanz, die traumwachen „5-Minuten-Notate“, die den sozialen Spieltrieb in den sprachlichen über-setzen, „wo die sprache tut, was sie sagt“, und die korrespondieren mit den Erinnerungsfiktionen.
Ulf Stolterfolts holzrauch über heslach, wo ein komponiertes Ich das autobiografisch Deutsche ständig unterläuft und neu geschaffen wird durch ein sinnlich geerdetes Metadeutsch.
Mit Vladimir Nabokovs Fahlem Feuer feiere ich das Gedicht im Roman als Roman des verqueren sinnstiftenden Kommentars, und greife dadurch zu den staub.gefässen, den wahrhaftig elementaren Gedichten aus dem Enzyklopädie-Sprachprojekt Franz Josef Czernins, und auf Gert Jonkes Alle Stücke, darunter die „Versunkene Kathedrale“ und der „Freie Fall“, dem auch ich lesend verfalle, aber hinauf erhoben mit den Rhythmen und Wellen des Dialog-Monologs seiner verrückten Figuren, deren sprachlich verdrehten Vorstellungen und Empfindungen auf jene der fix und fertig definierten Welt prallen, dort tragisch-lächelnde Karambolage erzeugen, in Sehnsucht nach (Liebes)-Glück ihren Grund suchend. ■
Bestseller
1(1) Paulo Coelho: Brida,
€20,50 (Diogenes)
2(2) Charlotte Roche: Feuchtgebiete,
€15,40 (DuMont)
3(9) Ildikó von Kürthy: Schwerelos,
€18,40 (Wunderlich)
4(3) Andrea Camilleri: Die schwarze
Seele des Sommers, €20,60 (Lübbe)
5(7) Michael Köhlmeier: Idylle mit ertrinkendem Hund, €13,30 (Deuticke)
6(5) André Heller: Wie ich lernte, bei mir selbst Kind zu sein, €17,40 (S.Fischer)
7(–) Paul Auster: Mann im Dunkel,
€18,40 (Rowohlt)
8(6) Eva Rossmann: Russen kommen,
€19,50 (Folio)
9(4) Sven Regener: Der kleine Bruder,
€20,60 (Eichborn)
10(10) Orhan Pamuk: Das Museum der
Unschuld, €25,60 (Hanser)
Sachbuch
1(2) Dan Ariely: Denken hilft zwar,
nützt aber nichts, €20,60 (Droemer)
2(1) Sarah Wiener: Frau am Herd,
€25,70 (Knaur)
3(7) Friedrich Orter: Himmelfahrten.
Höllentrips., €23,60 (Ecowin)
4(10) Werner Gruber: Die Genuss-
formel, €21,90 (Ecowin)
5(4) Richard D. Precht: Wer bin ich und wenn ja, wie viele?, €15,40 (Goldmann)
6(5) Cornelia Vospernik: China live,
€19,90 (Kremayr & Scheriau)
7(3) Michael Fleischhacker: Politiker-
beschimpfung, €22 (Ecowin)
8(9) Rhonda Byrne: The Secret – Das
Geheimnis, €17,50 (Arkana)
9(8) Roberto Saviano: Gomorrha,
€22,10 (Hanser)
10(–) Timothy Ferriss: Die 4-Stunden-
Woche, €17,40 (Econ)
Erstellt von den 22 Buchhandlungen der Morawa Buch und Medien-Gruppe (u.a.: Morawa, Wien; Moser, Graz; Morawa, Innsbruck; Landhaus, Klagenfurt),
www.morawa-buch.at
("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.10.2008)
















