Die Revolution im Himmel

Anhand zweier Neuerschei- nungen: über den „Pull-Faktor“ und die Frage, ob die Spuren von Spanienkämpfern noch ins Heute führen.

Gert Hoffmann ist 92 und viel unterwegs. Hat man ihn endlich in der Leitung, stellt sich heraus, er hockt nicht in seiner Wohnung in Markt Piesting, sondern im Schnellzug nach Udine, um bei der Enthüllung einer Gedenktafel für Partisanen dabei zu sein. Oder er besucht gerade eine seiner Töchter in Mexiko, Athen oder Cagliari, oder weiß der Kuckuck wo noch. Oder er nimmt an Feierlichkeiten zu Ehren der Internationalen Brigaden im katalanischen Corbera teil. Oder es verschlägtihn zum Sommertreffen des Vereins „Kämpfer und Freunde der Spanischen Republik“ in die gesamtdeutsche Provinz. Oder er präsentiert auf der Leipziger Buchmesse seine Lebenserinnerungen, die er stur und sperrig als Zeitablaufschilderung bezeichnet. Er hat sie vor mehr als zehn Jahren mit einem Satz abgeschlossen, der seine Neugier und Unrast hinlänglich erklärt: „Ich kann mich nicht damit abfinden, dass es unmöglich sein soll, der Gerechtigkeit in dieser Welt zum Durchbruch zu verhelfen.“ Wer Gerechtigkeit will, kommt eben nicht umhin, sich anderswo nach Gerechten umzusehen.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.06.2009)

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