Typisch deutsch?

„Was ist deutsch?“ Dieter Borchmeyer thematisiert die „Suche einer Nation nach sich selbst“. Leider bietet er auf seine Frage nur Antworten ziemlich konventioneller Geistesgeschichte an – und kaum Neues.

Was ist deutsch? „Da regt mich schon die Frage auf“, könnte man knapp mit Loriot erwidern. Oder man antwortet wie kürzlich Kanzlerin Merkel, als sie erklärte, das Volk sei „jeder, der in diesem Lande lebt“. So einfach will es sich Dieter Borchmeyer nicht machen. Seine Antwort auf die selbst gestellte Frage ist lang, sehr lang ausgefallen. Auf mehr als 1000 Seiten vollzieht der Heidelberger Germanist die „Suche einer Nation nach sich selbst“ nach. Ein Fazit vorab: Sicher kann man über das deutsche „Wesen“ mehr und Genaueres sagen als die deutsche Kanzlerin. Vielleicht kann man aber auch zu viel sagen, zu breit und redundant aus Quellen schürfen und dabei die ganze, gerade jetzt hochaktuelle Frage nach dem Nationalen an die Geistesgeschichte delegieren. Auch die profundeste Wagner-, Nietzsche- und Thomas-Mann-Kenntnis führt in die falsche Richtung, wenn es darum ginge, Konturen einer vernünftigen national-kulturellen Identität zu zeichnen und so vielleicht der falschen Alternative zwischen Nationalismus und Universalismus zu entkommen. Aber das wäre dann ein anderes Buch geworden, für das man andere Wissenschaften und andere Begriffe brauchte.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.08.2017)

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