Mit dem Kopf auf einen Stein

Literaturhistorisch aufregend: György Sebestyéns Nach-kriegsnovelle „Thennberg“ – eine Wiederentdeckung.

Vor 20 Jahren starb der damals erst 60-jährige Dichter György Sebestyén. Aus dem Bewusstsein der österreichischen Öffentlichkeit ist er inzwischen weitgehend verschwunden.Das hat wohl damit zu tun, dass der P.E.N.-Club, dessen Präsident er von 1988 bis 1990 war, an kulturpolitischer Bedeutung verloren hat, aber auch mit seiner Literatur, die in einem Milieu angesiedelt ist, das nur noch rudimentär vorhanden ist. Zudem steht der Name Sebestyén für einen Begriff, der mit Österreichs Beitritt zur Europäischen Union endgültig der Nostalgie anheim gefallen ist: Mitteleuropa. In der Tradition von Hugo von Hofmannsthals Rede „Das Schrifttum als geistiger Raum der Nation“ oder auch Anton Wildgans' „Rede auf Österreich“ stehend, pflegte Sebestyén als Nachgeborener des k. u. k. Österreich einen supranationalen Donauraum-Begriff, den spätestens der Jugoslawien-Krieg der frühen 1990er-Jahre massakriert hat.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.07.2010)

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