Zwei Monde am Himmel

Wie kommt man von „1984“ zu „1Q84“? Über eine Weiche im Raum-Zeit-Kontinuum. Was nach Science-Fiction klingt, ist bei Haruki Murakami eine Parallelwelt, in der die unsere ihre Probe hält. Ein literarisches Vexierbild.

In Wong Kar-Wais Film „Chungking Express“ gibt es ein paar Szenen, in denen sich eine junge Imbissverkäuferin Zutritt zur Wohnung eines Polizisten verschafft um dort untertags seine Wohnung zu verändern. Sie putzt, stellt seine Hausschuhe an einen anderen Platz, verschiebt die Requisiten. Dem Betrachter fallen diese Details sofort ins Auge, natürlich, denn er ist ihr Komplize. Man ist irritiert, wie lange es dauert, bis der unglückliche junge Mann die kleinen Eingriffe in seiner privaten Umgebung bemerkt. Es hat etwas seltsam Anrührendes, Einsames, Hoffnungsloses an sich: Wenn Menschen nicht einmal in der Lage sind, das Unmittelbare zu sehen, wie sollen sie dann erst die Zeichen da draußen lesen können, Botschaften, die andere ihnen senden? Komplizierteres, Abstrakteres – etwa, dass man sie liebt?

Das ist drin:

  • 0 Minuten
  • 0 Wörter

Sie sind bereits Abonnent?

Klicken Sie hier, um sich einzuloggen

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.11.2010)

Meistgelesen