Nicht Maas, nur Memel

„Die Memel“: Der Berliner Publizist Uwe Rada schreibt kenntnisreich die ganz Europa prägende Kulturgeschichte eines Stromes, der so manche nationale Fantasie entzündet hat.

Wer im Vorjahr sah, welches Großereignis das 600-Jahr-Jubiläum der Schlacht von Tannenberg in Litauen oder in Polen war, und weiß, wie entscheidend für die Zukunft Europas diese endgültige Niederlage des hinter christlicher Maske so kriegslüsternen Deutschen Ordens und die so festgelegten Grenzen waren, der kann nicht begreifen, dass bei uns kaum der Name dieser Schlacht bekannt ist, geschweige denn ihr Datum. Das historische Gedächtnis ist auf West- und Mitteleuropa beschränkt – oder was man eben hier dafür hält. Und interessiert man sich für entferntere Gebiete, dann lieber gleich für etwas richtig Exotisches in anderen Erdteilen. So versinkt der Rest Europas im finsteren Loch eines undifferenzierten „Ostens“, und das beginnt schon mit der Geografie. Claudio Magris, Peter Esterházy oder Karl-Markus Gauß haben mit ihren Donau-Büchern zum Glück viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen, aber ein durch seinen Faktenreichtum wie seine Brillanz außergewöhnliches Buch über die Memel, konzipiert als „Kulturgeschichte eines europäischen Stromes“, wird kaum wahrgenommen.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.08.2011)

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