Ungarns Welt von gestern

Der erste Band von Miklós Bánffys Trilogie „Siebenbürger Geschichte“ liegt endlich auch auf Deutsch vor: „Die Schrift in Flammen“ ist so elegisch und elegant wie ein Roman von Joseph Roth.

Miklós Bánffys Trilogie „Siebenbürger Geschichte“ beginnt mit einem Wetterbericht, so wie Robert Musils fast zeitgleich entstandenerRoman „Der Mann ohne Eigenschaften“, allerdings nicht derart kühl und intellektuell, mit den Mitteln der Moderne, sondern idyllisch wie aus der Welt von gestern: „Ein schöner, sonniger Nachmittag Anfang September.“ Es ist die ideale Zeit für eine Jagd, und mit der Rückkehr von solch einem bunten Treiben, bei dem bereits die Protagonisten und viele weitere Charaktere treffsicher vorgestellt werden, setzt die Geschichte auch ein, die von 1904 bis zum Ersten Weltkrieg 1914 führt. Doch der Titel und das Motto des ersten Bandes warnen bereits davor, dieses Werk, in dessen Mittelpunkt der ungarische Adel steht, als ein naiv strahlendes voll Glanz und Glorie zu lesen, mit jubilierenden Lerchen, die „in den gleißenden Himmel“ fliegen: „Die Schrift in Flammen“ ist ein Zitat aus dem Buch Daniel, es geht um die Zeichen an der Wand, die den Hof des prassenden Königs Belsazar verfluchen.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.02.2012)