Im Käfig, im Traum, im Leben

Thomas von Steinaeckers Roman „Das Jahr, in dem ich aufhörte, mir Sorgen zu machen, und anfing zu träumen“ erzählt von einer Karrierefrau, deren kalte Metropolis-Welt 2008 von der Krise hinweggefegt wird.

Ein unangenehmes, großartiges Buch. In seiner Mitte steht Renate Meißner, 42, Vizeabteilungsleiterin einer großen Versicherungsanstalt. Sie ist eine jener Frauen, wie man sie meist aus seiner eigenen Umgebung nicht kennt, von denen man aber aus Zeitschriften und Filmen etwas zu wissen glaubt. Von Ehrgeiz und Selbstbehauptungswillen getrieben, haben sie im Management eine Position, die es ebenso zu verteidigen gilt, wie sie nur eine Station zur nächsthöheren Stufe ist. Zu den in der Regel männlichen Kollegen hat man ein Verhältnis, das in Wahrheit alles andere als kollegial ist, vielmehr bestimmt von Konkurrenzgefühlen wie Unterlegenheitsangst und Selbstüberschätzung. Das Leben besteht zu 90 Prozent aus Arbeit, und um diese bewältigen zu können, zusammen mit dem Nachweis, dass kein anderer sie so leisten könnte wie man selbst, braucht man einen Panzer aus Information, Können und Einsatz ebenso wie – man ist ja immer noch eine Frau – Perfektion in Kleidung, Make-up und Frisur. Man gibt sich kühl und unangreifbar, aber wie man sich auch immer in Schale wirft, der Kern bleibt verletzlich.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.03.2012)

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