Nur der Mythos geht nicht unter

Vor 100 Jahren sank die Titanic. Und noch immer tauchen aus 3800 Meter Tiefe neue Mythen um den Luxusliner auf. Nachrichten von der unsinkbarsten Sinkbaren der Welt.

Man hätte es ja wissen können. Titan, das hört sich zwar titanisch an, aber wie war das doch gleich in der Mythenwelt der alten Griechen? Da werden die Titanen letztlich in den Tartaros gestürzt, in die unterste Unterwelt, noch hinter dem Hades. Die Herren der White Star Line hatten offenbar nur Glück, aber nicht Ende des antiken Göttergeschlechts im Kopf, als sie auf die Idee verfielen, den zweiten Dampfer ihrer neuen Schiffsklasse ausgerechnet Titanic zu nennen. „Titan“ nach klassischem Vorbild und „ic“ gleichsam als Signet der Reederei aus Liverpool: nach Oceanic, Atlantic, Baltic und vielen Ic-sen mehr jetzt eben erst Olympic, dann Titanic als Muster einer neuen Generation von Transatlantiklinern, die in der Gigantic ihren dritten, kühnsten Spross hätte finden sollen. Noch so ein unbedarfter Rückgriff ins Mythengut, schließlich hatten die Giganten, mehrheitlich von Herakles dahingemetzelt, zu schlechter Letzt auch nicht viel zu lachen. Die Gigantic lief allerdings, drei Jahre nach dem Titanic-Desaster, als bescheidene Britannic vom Stapel: Bei White Star hatte man offenbar vorderhand genug von all der Griecherei.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.03.2012)