Wider den Schlaf der Vernunft

Die „große Erzählung“ der Auf-klärung ist obsolet, meinen die Postmodernisten. Manfred Geier geht einen anderen Weg: Mit Lebensbildern von sieben Vertretern der Aufklärung rekonstruiert er die Werte dieses großen Projekts und erhellt seine Bedeutung für die Gegenwart.

Aufklärung“, „Les Lumières“, „Enlightenment“ – ein ehemaliger Kampfbegriff ist inzwischen ein umstrittenes Projekt geworden. Gegenaufklärung, Dialektik der Aufklärung, Abschied vom großen Projekt der Moderne haben jene Idee der Aufklärung zu zerzausen begonnen, die einst gegen Unterdrückung, Autoritäten und Dogmatik nicht zuletzt jene Ideen durchzusetzen begannen, die als allgemeine Erklärung der Menschenrechte inzwischen das allgemeine gesellschaftliche und politische Bewusstsein erobert haben. Wo die Gegner des Zeitalters der Aufklärung, im 18.Jahrhundert christliche Dogmatik, kirchliche Autorität und feudale Staatsgewalt, waren, sind es heute autoritäre Staatsgebilde islamischer Fundamentalisten, aber auch jene Bewegungen, die als „Post-Enlightenment“ in den USAbeschrieben werden können und die die Berufung auf Vernunft durch bloße Meinung, Glaubensgewissheit und Orthodoxie ersetzen. Ganz zu schweigen von jenen Regimen, die die „westlichen“ Werte der Demokratie, der Menschenrechte und der Freiheit ignorieren, wie dies in der aufstrebenden Wirtschaftsmacht China der Fall ist.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.05.2012)

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