Das Leben ein Roman

„Hoppe“: Auf über 300 Seiten gibt sich Felicitas Hoppe alle Mühe zu widerlegen, was im Internet oder in Literaturlexika an vermeintlich gesichertem Wissen über sie ge-schrieben steht. Sie tut so, als schriebe sie ihr Leben auf – und erhält den Georg-Büchner-Preis.

Dass sich Menschen ihr eigenes Leben zurechtzurücken und Unliebsames ausblenden, um mit sich selbst besser zurechtzukommen, ist keine Seltenheit. Selbst Schriftsteller, die wie keine andere Berufsgruppe von den Unwägbarkeiten des Erinnerns profitieren und die Übergänge von Dichtung und Wahrheit ausleuchten, kommen mitunter nicht umhin, Peinlichkeiten aus ihrem privaten oder öffentlichen Leben zu übergehen oder zu verdrängen. Wer immer sich ernsthaft in den letzten 100 Jahren aufgemacht hat, das hoch produktive Genre der Autobiografie zu bestücken, hatte allerlei Vorkehrungen zu treffen. Als literarisch satisfaktionsfähig galt und gilt nur, wer seinen Texten einschreibt, dass das Bekenntnis, die Wahrheit und nichts als die Wahrheit zu erzählen, Hand in Hand mit der Erkenntnis geht, dass autobiografisches Schreiben einen kaum geringeren Fiktionsgrad als der von Romanen und Erzählungen aufweist.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.05.2012)

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