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Was ich lese: Rudolf Roubinek

01.06.2012 | 18:21 |  Rudolf Roubinek, Schauspieler und Drehbuchautor, geboren in Wien (Die Presse)

Lesen ist für mich keine Tätigkeit, sondern eine Art kontemplativer Optimalzustand, den ich fast nur im Urlaub erreiche.

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Lesen ist für mich keine Tätigkeit, sondern eine Art kontemplativer Optimalzustand, den ich fast nur im Urlaub erreiche. Wenn man sich mit der satirischen Verwertung aller möglicher Geschehnisse beschäftigt, konsumiert man gezwungenermaßen eine Menge verschiedener Texte. Diese Konsumation dient meist irgendeinem Zweck. Wenn das Gelesene nicht unmittelbar in meiner Arbeit verwertbar ist, sammle ich es für später oder verblüffe meine Umgebung ab und zu mit völlig „nutzlosem“ Wissen.

„Lesen“ ist für mich etwas anderes. Es bedeutet, in einem Text zu versinken, eine Geschichte mitzuerleben und keinerlei äußeren Zwängen ausgeliefert zu sein. Deshalb sammle ich Bücher bis zumUrlaub, um sie dann ohne Unterbrechung genießen zu können.

Aktuell warten Ulrich Bechers Murmeljagd (Schöffling) und Günter Grass' Beim Häuten der Zwiebel (Steidl) auf sommerliche Erforschung. Da ich geschichtlich interessiert bin, handeln die meisten Bücher, mit denen ich mich befasse, von Vergangenem und oftmals Unbewältigtem. Wenngleich ich einige politische Äußerungen von Grass problematisch fand, fasziniert mich sein Werk. Mein Jahrhundert (Steidl) war für mich eine faszinierende Reise durch Geschichten, Genres, Schicksale.

Hin und wieder muss es die schnelle Droge zwischendurch sein, ein Satz, eine Phrase, eine Erregung, damit man sich wieder spürt. Dann greife ich zu Thomas Bernhard. Manchmal reicht da ein einziges Wort: „Brandteigkrapfen“ (aus „Ritter, Dene, Voss“). ■

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.06.2012)

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