Ein Fest für Fidel-Fans. Ein Fressen für Militärhistoriker. Eine Fadesse für unschuldige Leser. Ein 86-jähriger Fidel Castro will, was seinen Nachruhm betrifft, nichts dem Zufall überlassen. Eine vierbändige Autobiografie kursiert bereits als Gastgeschenk für besuchende Politiker.
Für die Geschichte der revolutionären Guerilla in den Bergen der Sierra Maestra in den Jahren 1957/58 kommen zwei Bände in Frage. Den ersten Teil gibt es auch schon in deutscher Übersetzung. Ein Band mit 700 Seiten, ein Produkt aus dem Berliner Eulenspiegel Verlag mit seiner Filiale „Neues Leben“. Vor 1990 war „Eulenspiegel“ Herausgeber der – von der DDR geduldeten – Satirezeitschrift gleichen Namens. Nach der Abwicklung entstand daraus eine geläuterte Verlagsgruppe, um das kulturelle Erbe der DDR zu pflegen.
Unbekannte Guerilla-Fotos
Aus dieser Perspektive entstanden Werkausgaben der Dichter Peter Hacks oder Rainer Kirsch, aber auch ein Text über „Die Fallschirmjäger der Nationalen Volksarmee“, eine Biografie des legendären Skispringers Helmut Recknagel oder Aufzeichnungen über Erich Honecker. So überrascht keineswegs die Bewunderung für Fidel Castro.
Auf 400 Textseiten, erweitert um weitgehend unbekannte Fotos aus der Guerilla (ein Schatz!), um Reproduktionen von handschriftlichen Memos so-wie um sorgfältige Schlachtskizzen, wuchern, wiedererzählt bis ins kleinste Detail, die Ereignisse der 74 Kampftage aus dem Jahr 1958.
Verfügt der greise Fidel Castro über ein phänomenales Gedächtnis? Sicherlich auch. Schließlich gilt die revolutionäre Kampfzeit als prägende Phase in seinem turbulenten Leben. Alles gewagt – und wider alle Logik alles gewonnen: „Die Rebellenarmee wird ihre Positionen in der Sierra Maestra niemals aufgeben, es sei denn, um auch in die übrigen Regionen des Landes einzurücken.“
Der Tod oder der Sieg
Bekannt ist Fidels Spruch: „Der Tod oder der Sieg – das ist die einzige Alternative, die wir akzeptieren. Ohne Freiheit und ohne Vaterland hängt niemand von uns an seinem Leben. Der Gedanke, die Sierra Maestra zu verlassen, kam mir noch nicht einmal in den Sinn, als ich nur über drei Männer und zwei Gewehre verfügte. Dieser Geist hat das Bewusstsein unserer Kämpfer geprägt.“
Dies alles will dokumentiert sein. Aber wie Fidel im Vorwort selbst angibt, haben Kohorten von Historikern „in jahrzehntelanger Arbeit“ die Daten gesammelt und Fakten zusammengetragen, welche ihm die lückenlose Rekonstruktion der Ereignisse ermöglichten.
Wen das interessiert, der taucht mit diesem Band in der Hand mit Fidel, der seine eigene Heroen-Geschichte inszeniert, glorios in den Dschungelkrieg in der Sierra Maestra ein. Andere Leser werden nach den ersten 50 Seiten ermattet aufgeben. ■
Fidel Castro Ruz
Der strategische Sieg
Erinnerungen an die Revolution. Aus dem Spanischen von Waltraud
Hagen u. a. 704S., geb., €30,80 (Verlag Neues Leben, Berlin)
("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.06.2012)















