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Treffer: Was kreucht da am Wegesrand?

29.06.2012 | 18:46 |   (Die Presse)

Das Studium der Botanik istzweifellos ein ehrenwertes Anliegen, das genaue Betrachten von ortsansässigen Gräsern undBlumen, Kraut und Unkraut aus kürzester Distanz mag manchem tristen Alltag ungewohnte Farbe verleihen.

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Das Studium der Botanik istzweifellos ein ehrenwertes Anliegen, das genaue Betrachten von ortsansässigen Gräsern undBlumen, Kraut und Unkraut aus kürzester Distanz mag manchem tristen Alltag ungewohnte Farbe verleihen. Dem Mann in der Wiese erschloss sich diese Schönheit am 21. Juli 2001 jedoch keinesfalls. Er hob den Blick nicht auf den 1568 Meter hohen Gipfel, den er vor Kurzem passiert hatte, auch Emsen und Käferchen vor seinen Augen schenkte er keine Aufmerksamkeit. Selbst an Dantes Zeilenwird er nicht gedacht haben. War er doch nicht in der Mitte seines Lebenswegesund nun auch nicht in einem dunklen Wald, wohl aber doch vom rechten Wege abgekommen. Und eher unsanft in der Gräser Bett gelandet.

Nach einer Schrecksekunde schulterte der Kurzbehoste sein Arbeitsgerät und stapfte durch die hohen Gräser empor zum unfreiwillig verlassenen Asphaltband. Als er dieses erreichte, stand sein großer Widersacher, dem er zuvor mit größter Anstrengung enteilt war, bereits da. Dehnte sich, streckte sich und lockerte die Muskeln. Er hatte den Sturz des Ausreißers gesehen und auf dessen Wiedererscheinen gewartet. Ja, selbst ein Akt höchster Fairness kann auch winzige Spuren von Demütigung enthalten. Denn als sich nun beide wieder auf ihr Arbeitsgerät schwangen, fuhr der Widersacher dem Gestürzten mit kräftigen Tritten davon, der am Ende des Tages wieder einmal nur zweiter Sieger war.

Zwei Jahre später bewahrheitete sich erneut der Spruch „Man trifft sich immer zweimal im Leben“. Nur war es diesmal der Amerikaner, der zu Sturz kam. Da warer beim Schlussanstieg auf der letztenPyrenäen-Etappe an der Tasche eines am Rand des Zuschauerraums stehenden Adabeis hängen geblieben und gestrauchelt. Nun war es der unfreiwillige Begutachter der Botanik, der sich nach dem Vorbeifahren elegant revanchieren konnte. An der Spitze des Feldes fahrend,drosselte er das Tempo so gekonnt, dass sein Widersacher erfolgreich aufschließen konnte. Und selbstverständlich wieder einmal den Sieg davontrug. Das Duell der beiden Kontrahenten zog einige Jahre Millionen Zuschauer in Bann. Heute erscheinen die zwei Pedalritter eher als solche von der traurigen Gestalt. ■


Wer traf wen? Sturz 2001 und Sturz 2003? Warum Ritter von der traurigen Gestalt?

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.06.2012)

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