24.05.2013 10:19 Merkliste 0

Treffer: Zwei Damen und die Nacht im Zug

13.07.2012 | 18:29 |   (Die Presse)

Bei ihrer ersten Begegnung, war sie es, die das Gespräch begann, und zwar so: „Meine Urgroßmutter und Ihr Ururgroßvater waren ein Liebespaar. Also, was ist?“

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Bei ihrer ersten Begegnung, war sie es, die das Gespräch begann, und zwar so: „Meine Urgroßmutter und Ihr Ururgroßvater waren ein Liebespaar. Also, was ist?“ Na, wenn's denn in der Familie liegt, wird sich der Angesprochene gedacht haben, und ist auf ihr Angebot eingegangen. Ein folgenreicher Schritt, der ein ganzes Land in Atem halten sollte, wie sich bald herausstellte. Sie verstanden sich prächtig, teilten Interessen und Humor. Was lag da näher, als zu heiraten, zumal seine Familie schon aus Gründen der Staatsraison von ihm eine baldige Eheschließung inklusive Nachwuchs erwartete? Doch es kam anders. Denn die Burschikose war dem Elternhaus nicht fein genug, und vor allem: Es war kaum anzunehmen, dass diese leichtlebige Person jungfräulich in die Ehe gehen würde.

Die Frau, die er dann vor den Augen von Millionen Menschen heiraten sollte, erfüllte dieses Kriterium geradezu augenfällig. „Ich wusste, dass ich mich rein zu halten hatte für das, was vor mir lag“, sollte sie später mit kamerawirksam gesenktem Blick sagen. Umso empörter reagierte die Öffentlichkeit, als ein Boulevardblatt die Meldung brachte, die junge Auserwählte habe mit ihrem künftigen Bräutigam schon Monate vor der Eheschließung eine Nacht in einem Zug verbracht. Die Mutter des Bräutigams, eine bis heute nicht ganz unpopuläre Person im Land, verlangte eine Entschuldigung von dem Massenblatt, und die künftige Braut schwor heilige Eide, dass sie nicht einmal in der Nähe des Zuges gewesen war. Einmal beschlichen sie Zweifel, ob die Ehe wirklich der richtige Schritt sei. Ihre Schwester meinte nur: „Pech gehabt, dein Gesicht prangt schon auf allen Geschirrtüchern.“

Jahre später sollte sich herausstellen, dass nicht sie die Blondine im Zug war, sondern die Dame, deren Stammbaum einst den seinen gekreuzt hatte. Seine Beziehung zu dieser Frau sollte die Ehe, die in einem wahrhaft königlichen Schmierentheater vor der Weltöffentlichkeit inszeniert wurde, dauerhaft belasten. Das Paar wurde schließlich nach einer beispiellosen öffentlichen Schlammschlacht geschieden. Das bot ihm Jahre später Gelegenheit, seine burschikose Gefährtin doch noch zu heiraten. Doch der hohe Titel, der normalerweise damit verbunden ist, wird ihr verwehrt bleiben. ■


Wer traf wen? Welcher Titel bleibt der
zweiten Gattin verwehrt?

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.07.2012)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

Top-News