Das Äußere war es wohl nicht, was ihn an ihr fasziniert hat, als sie sich kennenlernten. Sie trug eine Brille mit enorm dicken Gläsern, gekleidet war sie in ein sackartiges Etwas. Was ihn faszinierte, waren ihre Intelligenz und ihre Leidenschaft für Politik. Dem klassischen Frauenklischee hat sie im Grunde nie entsprochen, und das sollte sich bald als Karriereproblem für ihn erweisen.
Als sie heirateten, behielt sie zunächst ihren Namen bei, einen Namen übrigens, unter dem sie heute nicht bekannt ist. Weltberühmt wurde sie unter seinem Namen, und das kam so: Obwohl sie stets vorhatte, eine eigene Karriere zu machen, gab sie zunächst ihre eingeschlagene Laufbahn auf und übersiedelte, um mit ihm zusammenleben zu können. Er war nämlich gerade als der jüngste „Landesfürst“ in der Geschichte seines Staates die Karriereleiter einen gewaltigen Schritt hinaufgeklettert. Doch seine Frau entsprach so gar nicht dem, was man in einem Bundesstaat, den manche das „Sibirien“ seines Landes nannten, von einer First Lady erwartete: Charity, Tee und Kekse. Nach einer verlorenen Wahl nahmsie dann doch seinen Namen an.
Als ihm schließlich der ganz großeKarrieresprung gelang, war sie wieder an seiner Seite und brachte sich in einer Weise ein, die bald auf Kritik stieß. Schließlich sei ja nicht sie in das Amt gewählt worden. Aber es war offensichtlich, dass er in vielem auf sie hörte, ganz abgesehen davon, dass er sie offiziell damit betraute, das Gesundheitswesen des Landes auf Vordermann zu bringen. Ein Unterfangen, das ihr zu ihrer großen Enttäuschung nicht glückte.
Was sie jedoch noch mehr verdross, war etwas, das bald auch die Amtsführung ihres Gatten überschatten sollte. Gerüchte, dass er es mit der Treue nicht immer genau nahm, hatte es schon zu seiner Zeit als Provinzfürst gegeben. Aber auf dem Gipfel seiner Macht sollte ihn eine Affäre fast das Amt kosten. Für sie war es eine Demütigung vor der Weltöffentlichkeit, die ihr freilich erstmals eine Welle der Sympathie eintrug.
Heute bekleidet sie selbst ein hohes Amt in ihrem Land, ja, und wenn es nach ihrem energischen Willen gegangen wäre, würde sie heute auf dem gleichenSessel sitzen, auf dem einst ihr Gatte die Fäden zog. ■
Wer traf wen? Ihre Ämter?
("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.07.2012)















