Vor einiger Zeit haben wir an dieser Stelle beim „Gefangenendilemma“ gezeigt, dass man als Angeklagter gesteht, da man dem Mittäter nicht trauen kann. Dass wir Menschen Schafe sind, sieht man in folgenden Situationen:
Trittbrettfahrerproblem: Einen Vorteil aus einer gemeinschaftlichen Ressource ziehen, ohne selbst etwas dazu beizutragen: CO2–Emission wird verringert; wir machen nicht mit, denn auf unser bisschen kommt es nicht an, wenn alle anderen sich daran halten. Genauso kann man schwarzfahren, weil der Zug ja ohnedies in Betrieb ist.
Freiwilligendilemma: Einer muss zugunsten der Gruppe ein Opfer bringen, sonst leiden alle. Beispiel: Eine Zeitschrift bot an, ihren Lesern entweder 20 Dollar oder 100 Dollar zuzusenden. Jeder bekommt das, was er verlangt, aber nur, wenn nicht mehr als 20 Prozent der Zuschriften 100 Dollar verlangen. Der Verlag musste nichts zahlen, mehr als ein Drittel verließen sich drauf, dass die anderen vernünftig sind, und verlangten 100 Dollar.
Hirschjagd-Dilemma: Eine lohnende, doch riskante Aktion, aber mit erhöhter Erfolgschance durch Kooperation mehrerer Teilnehmer. Ein Einzelner kann aber einen zwar wesentlich niedereren (e. Hasen), dafür garantierten Lohn erzielen, indem er auf eigene Faust handelt: Halten wir zusammen gegen den Diktator, oder muss ich Angst haben, dass mich mein Nachbar wegen einer kleinen Belohnung denunziert?
Dazu die Frage: Wie kann man eine Torte gerecht unter mehreren Kindern aufteilen?
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("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.09.2012)















