Treffer: Und siehe, alles hat seine Zeit

28.12.2012 | 18:53 |   (Die Presse)

Muss das sein? Dichte Wälder, hohe Berge, viel Ackerland.

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Muss das sein? Dichte Wälder, hohe Berge, viel Ackerland: eine der rückständigsten Regionen der USA, ein Staat im Süden des Landes, weit weg von der pulsierenden Welt. Und dort soll sie leben? Hat sie dafür in Yale studiert, um dann in der Provinz zu verspießern? Sie gilt alsbrillant und unabhängig im Denken, wie geschaffen für eine Karriere in New York oder Washington.

Und nun das: ein junger Mann, der sie im Bibliothekssaal anstarrt, ohne sie anzusprechen. Also stellt sie sich ihm vor,diesem Wikinger mit den langen rötlichen Haaren und dem Bart. Er gefällt ihr in seiner Lässigkeit, den überschäumenden Gefühlen. Und auch für ihn istschnell klar: Diese Frau ist keine Affäre, mit ihr meint er es ernst. Er schätzt sie so, wie sie ist: kämpferisch, selbstbewusst. Nicht allein hübscher Aufputz für einen wie ihn, der hoch hinauswill. Löwe und Löwin tun sich zusammen.

Kann das gut gehen? Die zwei haben ihren eigenen Kopf. Seiner drängt ihn, in seine Heimat zurückzukehren. Aber ob sich seine Freundin in diese Pläne fügen kann? Vielleicht schafft er es ja, sie bei ihrem Ehrgeiz zu packen: Frauenrechte, soziale Spannungen, Fremdenhass. Das sind Themen, die sie beschäftigen. Und wenn man diese nun gemeinsam angehen würde, von Fayetteville, später Little Rock aus, um dann vielleicht weiterzuziehen in andere Teile der Staaten? Es gelingt ihm, sie zu überreden, wohl wissend, dass ihr das Kostüm der lächelnden Gattin nicht stehen würde. Am 11. Oktober 1975 findet die Hochzeit statt.

Die frisch gebackene Ehefrau sieht sich nicht am Herd und sucht sich als Anwältin und Hochschulprofessorin zu profilieren. 1984 wird sie zur „Mother of the Year“ gewählt. Ihr persönlicher Tiefpunkt? Mitnichten. Ihre Zeit würde kommen, so ihr Credo. „Sie war immer meine beste Freundin und weiseste Beraterin“, schwärmt ihr Mann: Sie hält die Karriereleiter, auf der er stetig nach oben klettert, und bleibt ihm mit ihren eigenen Ambitionen auf den Fersen. Als er abzustürzen droht, fängt sie ihn auf. Im Gegenzug unterstützt er sie, als sie ihre Chance ergreift. Als Team sind die beiden kaum zu schlagen. Champions League. Torchancen garantiert. ■


Wer traf wen? Was waren die Stationen
in der Karriere der Juristin? Was war ihre
größte politische Niederlage?

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.12.2012)

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