Treffer: Frauen sind sein Stoff

23.12.2011 | 15:22 |   (Die Presse)

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Ein Foto in ihrer soeben erschienen Autobiografie zeigt sie in kecker Pose vor dem Turm von Pisa. Sie trägt ein Minikleid, im Bildtext ist sogar der Modedesigner genannt, von dem es stammt. Von Minikleidern ist viel die Rede in diesem Buch. Das ist zeitbedingt, die Karriere der Frau startet in den Sechzigern. Aber es ist zugleich auch der Versuch zu demonstrieren: Schaut her, ich bin nicht so verbiestert und verbittert, wie ihr glaubt, ich habe sexy Klamotten getragen, Diäten gehalten, Make-up benutzt.

Das obligatorische Minikleid ist auch mit dabei, als sie zum ersten Mal einem bewunderten Dichter und Denker gegenübersitzt. Er ist kein Landsmann von ihr ist, doch sie hat sich seine Sprache angeeignet, lebt jetzt schon eine Weile in seinem Land, seiner Stadt und hat sich in den Kopf gesetzt, ihn zu interviewen.

Und dann platzt mitten ins Interview die Lebensgefährtin des Denkers herein und reagiert frostig. Da die junge deutscheJournalistin diese Frau noch mehr bewundert als ihn, versinkt sie vor Scham: „Und ich? Eine 28-jährige Blondine, die in einem sehr hochgerutschten sommerlichen Minikleid mit bloßen Beinen vor ihm sitzt (Kleid: Dorothée Bis). Was soll sie nur denken? Klar, was sie denkt! Da hat der alte Trottel sich mal wieder von ei-nem Mädchen beschwatzen lassen. – Ich leide Höllenqualen.“

In der Frau sieht sie eine Geistesverwandte, immer wieder wird sie über sie schreiben, ein Buch über sie herausgeben. Auch der Denker ist ihr bald wohlgesonnen, und das wohl nicht nur wegen des Minikleids, zumal seine Augen ohnehin nicht mehr die besten sind. „Er war eingestandenermaßen ein miserabler, desinteressierter Liebhaber, ja ,frigide‘. Ihn interessiert nur der Akt der Verführung, nicht die Sache an sich. Doch er mochte Frauen wirklich, sie waren sein Stoff. Männer langweilten ihn.“

Dann aber erlebt sie eine herbe Enttäuschung: als er sich in einem Interviewabfällig über die Bewegung äußert, für die sie bis heute publizistisch ins Feld zieht. Sie stellt ihn zur Rede: „Was für einen Mist haben Sie da nur erzählt?“ Und er, der weltberühmte Denker, meint nur: „Finden Sie?“ Es ist der Beginn einer Freundschaft – Widerspruch reizteihn offenbar mehr als kritiklose Bewunderung. ■


Wer traf wen? Wer ist die Lebensgefährtin?

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.12.2011)

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