Wortspielereien: Zum Bier verviert

Vorige Woche habe ich im Rahmen unserer „Zahlwörter“ bedauert, dass es so schöne Verbformen wie gezehnet nicht gibt (geachtet aber wohl).

Vorige Woche habe ich im Rahmen unserer „Zahlwörter“ bedauert, dass es so schöne Verbformen wie gezehnet nicht gibt (geachtet aber wohl). Es gibt jedoch verzehnen.

Ich verdanke diesen Hinweis Erich Dix: Es heißt, den Zehent von etwas leisten. In der Luther-Bibel findet man das etwa bei Lk11,42. Ebenso gibt es vervieren, allerdings weiß ich nicht, was es bedeutet – wie bei so vielen Vokabeln aus der Küche, die als allgemein bekannt vorausgesetzt werden. Beim Googeln findet man vervierte Schokolade, vervierten Frischkäse oder ein verviertes Fischgericht. Wer kann mir da weiterhelfen?

Man findet übrigens auch vervierte Computer, aber das muss doch wohl vervirt heißen. Mag sein, dass man auch den Soldaten Schweijk zu manchem Bier verfiehren konnte...

Dix behauptet, es gäbe auch verneunen, aber das möchte ich verneinen – ich habe es bisher nur als Tippfehler gefunden. Wohl aber kennt man versexen (mit Erotischem anwürzen) und versieben,was aber eigentlich versiebenen heißen müsste. Und es verelft sich, wer sich (laut „Spiegel“) in einen Elf verwandelt.

Und noch ein Nachtrag: Mein letztwöchiges Bedauern, dass es Meins und die Macht, aber nicht die Melf gibt, war unbegründet. Melfs sind sowohl Computerchipbauteile als auch die nordfriesische Variante des Vornamens Melchior. mip

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.04.2012)

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