Die Presse streute den Stars des Films schon vorab Rosen, ein regelrechter „Besetzungscoup“sei dem Studio da gelungen. Dass die beiden Stars so unterschiedlich waren, passte durchaus zu der romantischen Geschichte von der Begegnung des„Großherzogs von Karpathien“ mit dem hübschen Revuegirl.
Auch das Leinwandpaar selbst erwartete sich von dem Streifen neue Impulse für die eigene Karriere. Der männliche Part des Paares hatte mit der Rolle bereits auf dem Theater geglänzt, zwar galt er als einer der ganz Großen der mimischen Zunft, aber er fürchtete sich bereits vor dem Verblassen des Ruhms. Die Rolle an der Seite der fleischgewordenen Männerfantasie sollte frischen Glanz in die Karriere bringen. Darum stieg er nicht nur als Hauptdarsteller, sondern gleich als Produzent und Regisseur in das Projekt ein. Auch die Diva erwartete sich von der Arbeit mit dem Star des englischen Theaters eine künstlerische Nobilitierung, eineKorrektur ihres eindimensional-verführerischen Images. Dafür hatte sie eigens eine Produktionsfirma gegründet. DerFilm sollte ihre erste und einzige Produktion bleiben.
Und auch ihr Partner sollte danach alsgebranntes Kind für mehr als ein Jahrzehnt die Finger von der Regiearbeit lassen. Dabei hätte er sich nur bei einigen Kollegen erkundigen brauchen, sie hättenihm Anekdoten erzählen können über die Unzuverlässigkeit und Textunsicherheit der Mimin. Und dann ist da noch diese Schauspiellehrerin mit ihrem „MethodActing“, die der Diva am Set permanent einflüstert, was in der Figur, die sie verkörpert, gerade vorgeht. Wie soll man da Regie führen? Es kommt zu Verstimmungen und peinlichen Szenen. Am Ende entschuldigt sich die Diva bei der Crew, und ihr Partner findet rückblickend anerkennende Worte für sie: „Niemand hatte diesen Ausdruck unbewusster Weisheit. Sie war ganz wunderbar, die Beste von allen.“ Den erhofften Erfolg brachte der Streifen dennoch nicht.
Ein Assistent am Set schrieb später einBuch über seine angebliche Affäre mit der Diva. Seine Geschichte diente als Vorlage zu einem Film, der unlängst in die Kinos kam. Die Hauptdarstellerin erhielt einen Golden Globe und eine Oscar-Nominierung für die Verkörperung der Leinwandlegende. ■
Wer traf wen? In welchem Film?
("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.05.2012)















