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Treffer: Zwei Könige ohne Land

01.06.2012 | 18:22 |   (Die Presse)

Eigentlich wird er in unseren Breiten heute ein wenig vernachlässigt, der hierin Gesuchte, der ein eindrucksvolles Œuvre vorzulegen hat.

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Eigentlich wird er in unseren Breiten heute ein wenig vernachlässigt, der hierin Gesuchte, der ein eindrucksvolles Œuvre vorzulegen hat. Vielleicht liegt der Grund, ihn links liegen zu lassen, in der Tatsache, dass er aus dem ganz hohen Norden Deutschlands stammt und man daher anzunehmen geneigt ist, dass er wenig für unser „Lebensverstehen“ und unsereInteressen hier im südlich gelegenen Österreich beizutragen hat. Und dennoch, fast jeder kennt aus dem Deutschunterricht wenigstens ein oder zwei seiner bekanntesten Texte. Wäre da nicht nochjener andere Gesuchte, der im selbenGenre ebenso brillierte und bei uns doch um einiges mehr berücksichtigt wird, könnte man Ersteren aufgrund der Fülle seines Werkes als Novellenkönig bezeichnen. So war eben auch der Zweite, nur zwei Jahre jünger, ein äußerst produktiver Literat, allerdings beschränkte er sich nicht auf die literarische Gattung der Novelle, sondern widmete sich auch, ja sogar bevorzugt der größeren epischen Form, dem Roman.

Recht traditionsbewusst traten beide Herren zunächst in die beruflichen Fußstapfen ihrer Väter, der eine als Jurist, der andere als Apotheker. Ersterer verfolgte seine juristische Karriere bis zu seiner Frühpensionierung, Zweiterer übte den erlernten Beruf nur etliche Jahre aus, bevor er als freier Schriftsteller weiterarbeitete. Beide, der eine melancholischer in der Art, der andere ironischer, können jedenfalls als Vertreter des Realismus bezeichnet werden.

Kennengelernt haben sich die zwei inPotsdam, wo der Jurist eine (unbezahlte) Anstellung im Kreisgericht innehatte und der andere als Schriftsteller über dieRunden zu kommen versuchte. Schließlich hielten die beiden Männer zwar eher unregelmäßig, aber stetig Korrespondenz,sodass zwischen Ende Dezember 1852 und Oktober 1887 ganze 104 Briefe zwischen ihnen gewechselt wurden. In den Briefen klagten die beiden einander ihre existenziellen Sorgen, und sie besprachenfür sie relevante politische, literarische und gesellschaftliche Ereignisse und Probleme.

Überlebt hat der Jüngere den Älteren um zehn Jahre. Doch was zählen Jahre? Überlebt haben sie beide: ihr Zeitalter,ihre Epoche, ihr Jahrhundert. Kraft ihrer Literatur. ■

Wer traf wen? Einige Werke?

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.06.2012)

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