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Treffer: Der Bub mit den zwei Vätern

08.06.2012 | 21:26 |   (Die Presse)

Da man damals noch nicht so genau zwischen einem Architekten, einem Baumeister und einem ausführenden Handwerker unterschieden hat, ist nicht klar, welches Sozialprestige der Mann genossen hat.

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Da man damals noch nicht so genau zwischen einem Architekten, einem Baumeister und einem ausführenden Handwerker unterschieden hat, ist nicht klar, welches Sozialprestige der Mann genossen hat. Von manchen wird ihm ja königliche Abkunft nachgesagt, aber nicht die Abstammung war es, die ihm ein Überleben im Gedächtnis der Nachwelt gesichert hat. Es war eher die Wahl seiner Partnerin, die allerdings nicht ganz freiwillig gewesen sein soll. Höhere Mächte sollen dabei ihre Finger im Spiel gehabt haben, manche behaupten gar, ihm habe jemand im Traum eingeflüstert, die Frau zu heiraten.

Es war keine einfache Ehe. Nicht dass sich das Paar nicht verstanden hätte, zumindest ist von Streitereien und Ehekrisen nirgends die Rede. Eher schon waren die Umstände ihrer Beziehung so heikel, dass sie von dem Gatten eine enorme Loyalitätsleistung verlangten.

Sorge machte ihm vor allem der Sohn.Der muss ein eigensinniger Teenager gewesen sein, schon als Zwölfjähriger weigert er sich, mit den Eltern nach einem Tempelbesuch gemeinsam nach Hause zu gehen, und die Eltern wissen, da ist nichts zu machen. Schon früh verlässt der Sohn die Seinen, sucht sich eine Art Ersatzfamilie aus lauter Männern und kommt schließlich mit dem Gesetz in Konflikt. Was der Vater von diesem für die Nachwelt so folgenreichen Gesetzeskonflikt des Sohnes mitbekommen hat, ist nicht überliefert. Einige Quellen legen den Verdacht nahe, dass der Vater da schon nicht mehr am Leben gewesen sei. Wenn das stimmt, ist ihm einiges erspart geblieben.

Dass, wie erwähnt, seine familiäreLoyalität auf eine harte Probe gestelltwurde, lag nicht nur an der problematischen Lebensgeschichte seines Sohnes, die schon den werdenden Vater zu einem politischen Flüchtling gemacht hatte. Manche behaupten nämlich, dass er gar nicht wirklich der Vater des Jungen gewesen sei, ja, dass er mit seiner Frau nie die vollen Freuden des Ehelebens genossen habe. Aber das ist umstritten. Die Anhänger der Geschichte, die eine leibliche Vaterschaft in Abrede stellen, haben eine Erklärung geliefert, die, wenn sie wahr ist,wohl kaum die Eifersucht des Gatten geweckt haben dürfte. Aber wer weiß. ■


Wer traf wen? Worin bestand der
Gesetzeskonflikt?

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.06.2012)

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