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Treffer: Scheidung oder Zweitfrau?

22.06.2012 | 18:33 |   (Die Presse)

Am Anfang war ein Foto. Es war das Bild einer Frau, deren Antlitz bald millionenfach durch dieGazetten wandern würde, und dieses erste Foto sollte dafür den Grundstein legen.

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Am Anfang war ein Foto. Es war das Bild einer Frau, deren Antlitz bald millionenfach durch dieGazetten wandern würde, und dieses erste Foto sollte dafür den Grundstein legen. Es wanderte über familiäre Kanäle bis in die höchsten Kreise des Landes und landete schließlich bei der Mutter des Herrschers. Der suchte nämlich eine Braut. Da ihm das Bild genauso gefiel wie seiner Mutter, beschloss man, sich die Porträtierte näher anzusehen. Und siehe da, sie fand Wohlgefallen, und weil sie aus einer guten, wohlhabenden Familie stammte, beschloss man bald die Hochzeit.

Was da klingt wie ein Märchen aus Tausendundeiner Nacht, wurde bald auch genauso inszeniert. Ein Diadem mit Smaragden, sehr passend zu ihren grünen Augen, zierte ihr dunkles Haupt, und das Hochzeitskleid mit gigantischer Schleppe, eine Kreation von Dior, wog 20 Kilo, vier Brautjungfern und zwei Hofdamen waren nötig, um es zu tragen. Als sie nachihrem Jawort gefragt wurde, hätte sie sich der Tradition gemäß zieren sollen und den Imam, der die Trauung vollzog, die Frage mehrmals wiederholen lassen sollen. Aber sie sagte gleich beim ersten Mal Ja.

Lange überlegt hatte sie tatsächlichnicht; eine bessere Chance zu ungeheurem Ruhm und Reichtum zu kommen, würde sich nie mehr bieten. Und auch der Bräutigam hatte sie nicht nur wegen ihrer Schönheit gewählt, sie stammte väterlicherseits von einem Stamm in seinemReich ab, den er zur Sicherung seiner damals noch gefährdeten Herrschaft für sich gewinnen wollte. Später sorgten die Amerikaner mit alles andere als sauberen Methoden dafür, dass er fest im Sattel sitzen würde. Das schwarze Gold seines Landes war einfach zu verlockend.

Mütterlicherseits stammte die Braut von einer Berlinerin ab, darum war sie in Deutschland besonders populär. In der muffigen Adenauer-Zeit wurde das Paar bei einem Besuch von Tausenden bejubelt. Bei einer späteren Visite gab es allerdings heftige Proteste, die Zeiten hatten sich geändert.

Das Eheglück war nicht von Dauer,denn der erhoffte Thronfolger blieb aus. Vor die Wahl gestellt, eine Zweitfrau oder die Scheidung zu akzeptieren, wählte sie Letzteres und führte von da an das Jetset-Leben einer arbeitslosen Millionärin. ■


Wer traf wen? Wann stürzte der Regent?

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.06.2012)

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