Im Jahre 1987 waren die „Wiener Vorlesungen“ eine bemerkenswerte Innovation, heute sind sie eine lebendige Tradition. Es gibt vieleWiener Vorlesungen, aber es gibt nur die „Wiener Vorlesungen“.
Es gab viele „Wiener Schulen“, und wir haben die Verpflichtung, diese zu erhalten und zu fördern. Traditionen verpflichten Wien zu alten Avantgarden. Sie verpflichten aber noch mehr zum Neuen. Allem „Anderen“ und allem „Neuen“ sind hier mehr Chancen zu geben als früher und anderswo. Leben und leben lassen!
Wien ist nicht nur Bundeshauptstadt, sondern noch immer österreichischeGeisteshauptstadt. So bedeutet das goldene Wiener Hirn eine regulative Idee, ein Programm, ein Leitbild, das schon in den Volksschulen gefordert und gefördert werden sollte. Das goldene Wiener Herz muss für das goldene Wiener Hirn schlagen!
Die „Wiener Vorlesungen“ sind mehr als ein Symbol für die Wissenschaftsstadt Wien. Man hat sie mit Recht die „beste Volksuniversität der Welt“ genannt. Sie huldigen der Aufklärung, die im Gegensatz zur Volksverdummung steht.
Der Wissenschaftler und Wissenschaftsbeamte Hubert Christian Ehalthat die Bundeshauptstadt Wien damitauf einen Weg geführt, der zu einer unendlichen Geschichte werden soll.
Durch die Internationalität, die Wien als Uni- und als Uno-Stadt, als Kulturstadt im Allgemeinen sowie als Wissenschafts- und Kunststadt im Besonderen vertritt, wird kaum Utopie realisiert werden. Das bonum commune der polis und das bonum commune universitatis müssen in Wien eine Einheit sein. Die Universitäten und die Stadt sind der Freiheit und der Wahrheit verpflichtet. Das ist Demokratie. ■
("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.06.2012)














