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Jetzt endlich haben wir sie!

27.07.2012 | 18:24 |  Von Rudolf Taschner (Die Presse)

Wie man es „den Juden“ einmal so richtig zeigen kann: Unsere Kulturkämpfer mit ihrem Beschneidungsverbot sind Antisemiten reinsten Wassers.

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Nicht einmal die Auseinandersetzung um das Aufhängen von Kreuzen in Schulklassen hat eine solche Welle von Kommentaren, Artikeln und Postings verursacht wie die durch das Urteil eines Kölner Gerichts ausgelöste Debatte, ob die Beschneidung von ein paar Tage alten männlichen Säuglingen – nur um diese geht es, wenn im Folgenden von „Beschneidung“ die Rede ist – erlaubt sein soll. Tatsächlich betraf das Kölner Urteil die Zirkumzision eines jungen moslemischen Buben, aber die Debatte hätte mit Sicherheit nie diese Vehemenz erfahren, wäre die im Judentum als fundamental und unverzichtbar geltende Beschneidung nicht zugleich eingeschlossen worden.

In jedem liberalen und zivilisierten Kulturkreis wäre das Urteil des Gerichts als Kuriosum eingestuft worden: Die Harmlosigkeit der Beschneidung, ihre völlige Bedeutungslosigkeit für das weitere irdische Dasein des Beschnittenen, der Respekt vor der Entscheidungsbefugnis der Eltern wie auch vor ihrer Tradition und Religion müssten in jeder aufgeklärten Gesellschaft den Konsens erwirken: Ein Verbot der medizinisch fachgerecht durchgeführten Beschneidung ist absurd.

In Deutschland nahm die classe politique sehr rasch diesen vernünftigen Standpunkt ein. Ob er zugleich von einer breiten Mehrheit der Bevölkerung vertreten wird, ist nicht sicher. Hierzulande jedenfalls versucht eine sich laut gebärdende Menge fundamentalistischer Befürworter eines Verbots der Beschneidung – nennen wir sie kurz „Kulturkämpfer“, denn sie sind es – die Öffentlichkeit auf ihre Seite zu ziehen.

Endlich hat, so verkünden die Kulturkämpfer, ein Gericht in Köln den Mut aufgebracht, ein Urteil gegen das für die Zugehörigkeit zum Judentum fundamentale Zeichen zu fällen. Und sie preisen die Begründung des Richterspruchs als so stringent, dass nur Verstockte ihm nicht folgen könnten: Die Beschneidung sei eine Verletzung ohne jeglichen Nutzen für den Betroffenen. Sie stehe der prinzipiell zu achtenden körperlichen Unversehrtheit eines Menschen entgegen. Religiöse Gesetze seien ohne Belang. Punkt. Wobei die brutale Heftigkeit, mit der sie vernünftigen Argumenten für die Zulässigkeit der Beschneidung begegnen, atemberaubend ist. An drei Beispielen, die bereits oben angedeutet wurden, sei dies erörtert.

Erstens: Der Staat hat die Beschneidung zuzulassen, weil es sich bei ihr um einen an Harmlosigkeit nicht zu unterbietenden Verletzungsakt handelt, der nie und nimmer auch nur die geringste körperliche Beeinträchtigung zur Folge hat.

Flugs präsentieren die Kulturkämpfer Expertisen und Leidensberichte von Beschnittenen, die derzeit wie Pilze nach dem warmen Sommerregen aus dem Boden schießen. In der Tat: Windige Mediziner drängen sich nach vor, malen deftig das Trauma, das die Beschneidung auslöse, an die Wand. Bis zu sechs Monate nach der Beschneidung könnten bei den Kindern Verhaltensauffälligkeiten beobachtet werden, wenn diese beispielsweise eine Injektion erhalten, warnt der eine. Auch auf die Mutter-Kind-Beziehung wirke sich die Beschneidung negativ aus. Von fatalen Folgewirkungen der Beschneidung schwadroniert der nächste. „Wenn das sensibelste Organ – die Vorhaut – entfernt wird, bedeutet das eine massive Einschränkung des sexuellen Empfindens.“

Und öffentlichkeitsgeile „Beschneidungsopfer“ kämpfen um die ersten Plätze in den Talkshows. Schon meldete sich der jüdische Filmregisseur Michal Schaap zu Wort: In seiner halbstündigen Dokumentation „Mom, Why Was I Circumcised?“ geht der Niederländer kritisch mit seinen eigenen Eltern ins Gericht: „Ich weiß nicht, wie sich Sex mit Vorhaut anfühlt. Es macht mich ärgerlich, dass jemand anderer für mich entschieden hat, was ich selbst wahrscheinlich nicht für mich entschieden hätte.“ Selbst der Naivste riecht hier den falschen Braten, den diese „Experten“ und „Opfer“ dem Publikum zubereiten – nicht aber die Kulturkämpfer in ihrer heillosen Verblendung.

Und um ihrer Position noch mehr Gewicht zu verleihen, ersetzen sie das Wort Beschneidung durch Genitalverstümmelung. In einer nicht zu überbietenden Perfidie werfen sie damit die Beschneidung mit der zu Recht zu ächtenden und von allen Gerichten der zivilisierten Welt zu verurteilenden Genitalverstümmelung junger Mädchen in einen Topf. „Verletzung am Genitalbereich ist beides“, insistieren sie. Gleichsam als ob kein Unterschied zwischen dem „Abschießen“ im Völkerball und den „Abschießen“ mit einem Gewehr bestünde.

Zweitens: Der Staat hat die Beschneidung zuzulassen, weil es sich hierbei um ein für das irdische Dasein des Kindes folgenloses Ritual handelt, mit dem die Eltern des Buben ihrer Verantwortung oder ihrem Glauben folgend das Kind in ihre Gemeinschaft integrieren.

Das Recht des Kindes auf körperliche Unversehrtheit habe absoluten Vorrang, antworten die Kulturkämpfer empört. Wie käme ein Unmündiger dazu, ungefragt einem Ritual unterzogen zu werden, das ihn irreversibel zum Mitglied einer Gemeinschaft macht, in der er später gar nicht sein möchte? Hier müsse – man sieht förmlich, wie sich die Kulturkämpfer, die Arme ausgebreitet, schützend vor das Kind stellen – der Staat eingreifen und Einhalt gebieten. Wobei ihm dies bei der Beschneidung sehr leicht gelingen sollte, weil es sich bei ihr tatsächlich um eine Verletzung handelt, wie arglos sie auch sein mag. Das Menschenrecht auf körperliche Unversehrtheit gebe dem Staat hinreichend Handhabe für ein Verbot.

Wären die Kulturkämpfer tatsächlich am Wohl der Kinder interessiert, müssten sie in einem Atemzug fordern, dass der Staat Schwangeren das Rauchen verbietet, dass rauchenden Eltern die Kinder entzogen und in die Fürsorge gesteckt werden – die Absurditäten häuften sich, nähme man dieses Argument der Kulturkämpfer ernst. Folgerichtig zu Ende gedacht wäre es aufgrund des Gleichheitsgrundsatzes Kindern nicht zuzumuten, entweder in einen armen oder aber in einen wohlstandsverwahrlosten Haushalt hineingeboren zu werden. Die kafkaeske Konsequenz wären staatliche Institute zur Kinderaufzucht nach der Geburt, besser noch: ab der Fertilisation in vitro und der Schwangerschaft in einem Brutkasten. Da waren die Nazis noch humaner, die Buben und Mädchen erst später in die HJ und zum BDM steckten.

Doch in Wahrheit geht es den Kulturkämpfern nur vordergründig um das Kindeswohl, um das Menschenrecht der körperlichen Unversehrtheit, um das Eingriffsrecht bei drohender Kindesmisshandlung. All das sind nur vorgeschobene Scheinbelege, die das eigentliche Herzensanliegender Kulturkämpfer verhüllen, nämlich den Kampf gegen das folgende Argument.

Drittens: Der Staat hat die Beschneidung aus Respekt vor dem Judentum zuzulassen, weil es sich hierbei um jenen fundamentalen religiösen Ritus handelt, mit dem der männliche Säugling in die jüdische Gemeinde aufgenommen wird.

Dieses Argument ist die Achse, um die sich das von den Kulturkämpfern in Gang gebrachte Karussell dreht: Sie vertreten deshalb so heftig und unnachgiebig ihren Standpunkt, weil sie es damit „Anhängern atavistischer Bräuche“, „verstockten Leuten, die auf uralten Mythen beharren“, „überholten und vom modernen Menschenrecht überwundenen Traditionalisten“, „Anhängern einer barbarischen Religion“ – auf Deutsch und unverhüllt: „den Juden“ – endlich, endlich, endlich einmal zeigen können: „Kommt in der Moderne an!“, rufen sie den Juden zu. „Werdet endlich normal!“

Und sie trumpfen auf, weil ihnen die Menschenrechte selbst scheinbar das Mittel in die Hand drückten, um gegen die elementare jüdische Zeremonie der Beschneidung vorgehen zu können. Und bedienen sich dabei hinterlistig des althergebrachten Opfermythos: Diesmal, so behaupten sie, sei der jüdische Säugling das Opfer. Und das Niederträchtigste in ihrer Gedankenkette: Diesmal seien sie fein raus. Denn die jüdische Gemeinde selbst, vertreten vom Beschneider mit seinem Skalpell, machte das Judenkind zum Opfer.

„Endlich, endlich, endlich haben wir sie“, frohlocken die Kulturkämpfer in ihrem Herzen, „die immer anders sein wollenden Juden.“ Endlich müssten sie ihre Sonderstellung räumen. Wie kämen sie dazu, dass viele ihr Jude-Sein auf der von ihren Vätern tradierten Religion begründen, obwohl manche unter ihnen selbst gar nicht mehr an Gott glauben, aber trotzdem die Zeremonien mit der gesamten Familie so halten wie noch vor Jahrtausenden? Dass andere wieder sich nur deshalb als Juden definieren, weil sie eine jüdische Mutter haben und – wenn männlich – natürlich beschnitten sind?

Die Kulturkämpfer sind Antisemiten reinsten Wassers. Einen solchen Vorwurf weisen sie wutentbrannt von sich: Sie hätten doch nichts gegen die Juden – natürlich nicht, solange nicht wichtige jüdische Ansprüche geltend gemacht werden. Sie könnten doch selbst zuhauf Juden nennen, die gegen die Beschneidung auftreten – eine Variation des alten Huts von den „vielen jüdischen Freunden, die man kennt“.

Sie würden doch mit der gleichen Vehemenz gegen die christliche Vereinnahmung von Kindern zu Felde ziehen – was die antijüdische Haltung nicht mindert; auch Hitler wollte sich nach den Juden noch die Christen vornehmen.

Sie hätten eine klare, durch Expertisen belegte Position eingenommen, die Juden einfach nur dazu zwinge, ihre Zeremonien an die Moderne anzupassen – der Antisemitismus hat stets mit Bedacht versucht, sich das Mäntelchen der Wissenschaft umzuhängen.

Sie wehren sich dagegen, mit der Antisemitismuskeule bedroht zu werden, weil dem Gegner die Argumente ausgingen – aber die Argumente, die beweisen, dass sich die Kulturkämpfer verrannt haben, liegen auf dem Tisch.

Ob sich viele Kulturkämpfer umstimmen lassen, ist fraglich. Manche Wohlmeinende schlagen vor, das heikle Thema am besten zu übergehen. Nach dem Sommerloch werden dringendere Fragen die Menschen beschäftigen. Dieser pragmatische Standpunkt ist wohl vernünftig. Allerdings muss man sich bewusst sein, dass man damit nur den Teppich über den Kehricht gebreitet hat, den Dreck aber nicht beseitigte.

Manche Gutmeinende glaubten, man könne mittels der „Aufarbeitung der Vergangenheit“ eine Generation heranziehen, die dem Antisemitismus gegenüber immun sei. All ihrer bemühten Aktionen zum Trotz müssen sie nun feststellen: Sie irrten sich. Willkommen in der Wirklichkeit! ■

Geboren 1953 in Ternitz, NÖ. Professor für Mathematik an der TU Wien und Betreiber von math.space im Wiener Museumsquartier. 2004 „Wissenschaftler des Jahres“. Jüngste Bücher (Ecowin Verlag): „Rechnen mit Gottund der Welt. Betrachtung von allem plus eins“, „Gerechtigkeit siegt – aber nur im Film“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.07.2012)

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195 Kommentare
 
12 3 4 5
Gast: Smart
16.09.2012 19:53
5 0

Peinlich

Herr Taschner, es ist immer wieder amüsant, wie Schreiber wie Sie sich gegenseitig immer wieder unterbieten im Niveau ihrer geistigen Ergüsse.
Sie verhöhnen die Menschen, die unter ihrer Zwangsbeschneidung leiden, die Kinder, die als Folge dieses sinnlosen Eingriff gestorben sind, all die Menschen, die gegen ihren Willen um die empfindlichsten Stellen an ihrem Körper gebracht wurden. Es ist mir egal, ob Sie persönlich beschnitten sind oder nicht, es spielt keine Rolle, ob sie - falls sie beschnitten sind, damit klarkommen oder nicht. Es mag sein, dass ein großer, vielleicht der größte Teil der beschnittenen Männer mit ihrem Zustand kein Problem haben. Es ist aber eine Tatsache, dass viele Männer sehr wohl ein Problem damit haben, verstümmelt, ja verstümmelt geworden zu sein. Das auszublenden, abzustreiten, ja ins Lächerliche zu ziehen ist perfide und primitiv. Alle, die sich nun gegen dieses Barbarentum auflehnen, als Antisemiten hinzustellen, ist jedoch beleidigend. Sie beleidigen damit mich und tausende andere, die so denken. Nein, wir lehnen nicht die Juden an sich ab. Wir lehnen diese eine spezielle Praktik ab, sonst nichts.

Antworten Gast: mohelinski
23.09.2012 19:08
0 3

Re: Peinlich

Na Sie sind gut! Sie lehnen nicht "die Juden an sich" ab. So einen Satz muss man sich auf der Zunge zergehen lassen!

Was für eine Ahnung haben Sie vom "Juden an sich" - mit Garantie nicht die geringste. Weil es den "Juden an sich" nämlich gar nicht gibt.

Genau diese Einstellung macht Sie zum Antisemiten - ob Sie es wollen oder nicht.

Gast: daniel gran
28.08.2012 10:24
0 3

An Husslein und Co.

Vor Kurzem in der "Süddeutschen" erschienen. Der Autor Heribert Prantl bringt die Sache auf den Punkt. Ein Auszug:

"Die Sprache dieser Debatte ist oft drastisch, nicht selten sehr respektlos - gegenüber der Religion im Allgemeinen und gegenüber Judentum und Islam im Besonderen. Bei böswilligen Beschneidungskritikern kommen der alte Antisemitismus und die Islamophobie im neuen Gewand daher, nämlich im Strampelanzug; es strampelt da leider viel in Deutschland. Die wohlmeinenden Beschneidungskritiker verweisen darauf, dass man das religiöse Gebot doch sanfter und verträglicher praktizieren könne: als symbolische Handlung, als bloße Berührung des Penis mit den Beschneidungsinstrumenten. Und solange das Ritual nicht auf diese Weise humanisiert sei, sollten halt die Juden und die Muslime die Beschneidung später vornehmen, mit 14 Jahren etwa, jedenfalls nicht beim hilflosen Kind.
Das mag gut gemeint sein, ändert aber nichts an der Frage: Sollen hier und heute Eltern und Ärzte bestraft werden, wenn sie ein Kind beschneiden oder beschneiden lassen? Für die Veränderung einer alten Kultur wirbt man nicht mit den Mitteln des Strafrechts. Es wäre pervers, wenn sich - weltweit als Einzige - ausgerechnet die Deutschen anheischig machten, Juden mit Geld- und Haftstrafen zu erziehen."

Gast: hammer99
28.08.2012 00:49
2 0

Keine Körperstrafen

In Deutschland darf sogar das Gefängnis nur Freiheitsentzug sein,nicht mehr!Würde man ihn dort Beschneiden als Strafe für irgendwas könnt er mit einem guten Schmerzensgeld rechnen.Warum wohl?Ist doch nichts dabei,oder?


Gast: Grübler
20.08.2012 16:07
5 0

Tatsache ist

Die Beschneidungen ist eine unnötige Körperverletzung.

die Beschneidung als Glaubensdogma einer großen und alten Religion ist einfach nur peinlich

Die Vorstellung des allmächtigen Gottes, der solches verlangt, ist lästerlich.

Antworten Gast: daniel gran
22.08.2012 14:22
0 2

wer ist peinlich?

sie sind wohl auch einer dieser grübler, die die "beschneidungswitze" auf der seite

http://www.atheisten-info.at/lach/lach12.html

für gelungen finden. beim ebenso antisemitischen "witz" auf straches facebook-seite können sie auch gleich applaus spenden - denn das ist ihre denkungsart ...

Antworten Antworten Gast: RP
27.08.2012 01:35
2 0

Re: wer ist peinlich?

Solche Verdächtigungen sind sehr sachlich und verraten auch gar nichts über den Erzeuger. Wenn Sie nur so schwarz-weiß denken können, tun Sie mir nicht mal mehr leid.

Gast: Doktor Emil Erpel
12.08.2012 09:52
0 5

Unfassbar,

wie viele Schreier und Scharfmacher es unter den Postern gibt, die mit unbeirrter Sturheit verlangen, dass jüdische Mütter, die ihr männliches Neugeborenes beschneiden lassen, vom Staat verfolgt und bestraft gehören. Seit Abraham sind Millionen Juden beschnitten worden und nie fiel auf, dass ihnen damit geschadet wurde. Aber jetzt ist eine Hetze gegen Juden losgebrochen, mit dem hinterhältigen Vorwand, nur Kinderrechte verteidigen zu wollen, die mehr als besorgt macht.

Antworten Gast: HDV
27.08.2012 01:39
2 0

Re: Unfassbar,

Vor Jahrzehnten gab es noch Legionen von Leuten, die meinten, die gelegentliche Watschen, die man mal vom Vater bekommen hatte, die hatte auch nicht geschadet.
Es hat sich herausgestellt, dass sie eben doch geschadet hat. Heute ist das Watschen verboten. Aus guten Gründen, ebenso guten, wie die gegen die Beschneidung.
Die Beschneidungsgegner generell als Anti-Semiten zu denunzieren, ist eine Frechheit. So geht man nicht mit Menschen um.

Gast: Ein Erschütterter
11.08.2012 17:17
6 0

Erinnerungsmale

Damit wird uns Prof. Taschner als der Verfasser des letzten großen antihumanistischen Traktats in Erinnerung bleiben.

Gast: marioga
07.08.2012 09:31
4 0

Herr Taschner, Sie enttäuschen mich...

Enttäuschend ist vor allem die armselige Argumentation, welche eines Mathematikprofessors nicht würdig ist.
Auf ihre Reflexionsfähigkeit vertrauend bin ich mir sicher, dass Sie keine Scheu davor haben werden, den falschen Pfad wieder zu verlassen weil er schlicht in die Irre führt.

http://diepresse.com/home/meinung/quergeschrieben/rudolftaschner/1270761/Von-Fehlern-vierter-Teil_Die-Scheu-den-falschen-Pfad-wieder-zu
" target="_blank">http://diepresse.com/home/meinung/quergeschrieben/rudolftaschner/1270761/Von-Fehlern-vierter-Teil_Die-Scheu-den-falschen-Pfad-wieder-zu


Es ist mir bewusst, dass dies um so schwerer fällt, da ihre Stimme als Professor und Kommentator (gelegentlich auch als Philosoph) außerodentliches gesellschaftliches Gewicht besitzt.

Gast: najaa
03.08.2012 22:29
7 1

Derartig erbärmliche Polemik -

soll dem Mathematiker wobei helfen??

Göttliche Gebote ?????

S. g. Herr Univ. Prof. Taschner, mit Ihrer Argumentation werden wir - konsequent umgesetzt - in kürzester Zeit ein als zweifelhaft einzustufendes Revival von Hexenverbrennungen, Handabhackungen, Steinigungen von Ehebrechner oder Schwulen und sonstige "Nettigkeiten" haben, derer man nicht Einhalt gebieten kann/darf, da sie auf Gottes Wort zurückzuführen sind; ich denke hier nur z.B. an die Vorschrift in Levitikus 20,13, wonach alle an gleichgeschlechtlicher Liebe beteiligten Personen sterben müssen, "Ihr Blut über sie"!

An die doch hoffentlich durch die Aufklärung überholten "Rechts"vorschriften der Scharia will ich gar nicht denken, so sehr graut mir davor.

Alles auf Basis von Überlieferungen, denen die Behauptung (!!!) sie seien Gottes Wort (nur lustig, dass sich Gott so oft selbst widerspricht und sich nicht recht zu helfen weiß) zu Grunde liegt.

Gerade Sie als Wissenschaftler sollten zwischen bewiesener Tatsache und bloßer Behauptung - und als solche sind sämtliche religiösen Vorschriften und Aussagen einzustufen - zu trennen wissen. Daraus sollte dann die korrekte Wertung erfolgen.

In dieser Hinsicht sind die - zwar auch nur Menschenwerk - Menschenrechte, und hier das Recht auf körperliche Unversehrtheit deutlich mehr Wert als die Forderung nach einem Initiationsritus, der vor dreitausend Jahren vielleicht sogar eine medizinische Komponente gehabt haben mag.

So wünsche ich Ihnen und uns allen, dass Mythen das bleiben, was sie sind - Mythen nicht Recht!

Antworten Gast: Valtenin Bählamm
03.08.2012 22:43
5 1

Re: Göttliche Gebote ?????

Sehr richtig und sehr konsequent analysiert! Auch ich bin von Prof. Taschner sehr enttäuscht.

Quo vadis, professor? Si tacuisses, auctoritas mansisses!

Sie sagen es, Herr Duschek, danke.

Gast: Gustav Endl
03.08.2012 12:49
8 0

Ignorant und zynisch

Es bleibt einem fast die Spucke weg, wenn man Ihren Artikel liest. Er strotzt nur so von Un- und Halbwahrheiten und ignoriert wissentlich und willentlich die Tatsachen.
Ja, Beschnittene haben Schmerzen, leiden oft an psychischen Traumata. Ja, ihre Sexualität ist eingeschränkt und der, der aus freien Stücken im Erwachsenenalter beschnitten wurde und beides kennt, stimmt dem zu.
Es kann nicht sein, dass alles, was die Religionen als vermeintliche Pflicht auferlegen, stumm und ohne nachzudenken, lemmingleich befolgt werden muss. Wurden nicht bis vor wenigen Jahrzehnten auch in unseren Breiten Menschen zu Tode gequält, weil sie angeblich von einem Dämon besessen waren? Hat dies nicht auch die so gerechte Religion befohlen?
Nein, wir haben das Recht und die Pflicht, von unserem Verstand Gebrauch zu machen. Und die Amputation eines gesunden und wichtigen Körperteils ist ein Verbrechen. Auch und gerade, weil es manche Religionen fordern.

Antworten Gast: Ein Erschütterter
11.08.2012 18:15
2 0

Re: Ignorant und zynisch

Selbst wenn wir mit Prof. Taschner den (muslimischen) Betroffenen den Mund verbieten und alle Evidenzen ignorieren, bleibt doch, dass die säkulare Beschneidungstradition gerade im "Wert" des Traumas ihre Begründung findet:

"A remedy for masturbation which is almost always successful in small boys is circumcision, especially when there is any degree of phimosis. The operation should be performed by a surgeon without administering anaesthetic, as the pain attending the operation will have a salutary effect upon the mind, especially if it be connected with the idea of punishment."
Kellogg, John Harvey, Plain Facts for Young and Old; F. Segner & Co. 1888. p 295

Gast: sod
03.08.2012 09:27
5 0

in az der rebbe zingt: ob zwischen der hohen mathematik und dem büffeln der hohen bücher ein verbindungs-lappen existiert für dessen resektion kein göttliches gebot vorliegt?


Melde gehorsamst, daß eher nein. Zwar sind beide Disziplinen unbegreiflich, weil nichts zum Greifen da obwohl die tollsten gedanklichen Konstrukte ermöglicht werden. Doch während die eine keine Scheu kennt jahrtausende alte Doktrinen zu stürzen (mir fällt Euklid ein) verharrt die andere in der Unabänderlichkeit des einmal eingemeißelten Wortes.
Deshalb befremdet es, daß der Betreiber der Hohen Mathematik mit einer dem Fach höchst ungemäßen Beiläufigkeit ein halachisches Urteil übernimmt welches einem Immobilienmakler zugeschrieben wird (umgehend von einem Kaffeeröster sekundiert). Deren Substitution einer abstrakten rabbinischen Autorität ist für sich befremdlich, aber leider nicht die Ausnahme.

Antworten Gast: Valentin Bählamm
03.08.2012 22:48
2 0

Re: in az der rebbe zingt: ob zwischen der hohen mathematik und dem büffeln der hohen bücher ein verbindungs-lappen existiert für dessen resektion kein göttliches gebot vorliegt?

Ist schon seit Ewigkeiten bekannt, dass falsche Propheten und Philosophen nix mehr können ertragen die Spott, von die Ketzer. Ich darf Ihnen grüssen mit freundlichem e=mc²!

Gast: Olafingo
03.08.2012 08:51
8 0

Generationenwechsel

Generationenwechsel

Nicht selten wird Antisemitismus ins Spiel gebracht. Ich möchte mal an die jüdisch/muslimische Gemeinde eine Frage stellen (ich bin selbst kein Deutscher im Übrigen). Welches Interesse sollte ein Antisemit verfolgen jüdische und muslimische Kinder schützen zu wollen? Dem kann es doch egal sein. Die heutige Generation in Deutschland hat mit dem nichts mehr zu tun. Es gibt zwar eine handvoll Spinner, doch die gibt es in jedem Land. Ihr gebt denen garnicht die Chance die Vergangenheit aufzuarbeiten, da ihr sie sofort, bei der kleinsten Kritik an irgendetwas nicht-deutschem, zu Antisemiten abstempelt. Ich beobachte das nun schon einige Jahre. Das nenne ich Rasissmus, wenn die Vergangenheit missbraucht wird um eine Generation damit zu foltern

7 0

Der beste Kommentar (ist es nicht)

Presse und Standard liefern viele Kommentare zu diesem Thema. Mit obenstehendem Artikel hat die Presse (leider) "den Vogel abgeschossen". Der Standard liefert das positive Pendant:
http://derstandard.at/1343743502670/Kein-Anlass-fuer-religioese-Erpressung

Gast: kritischer leser
01.08.2012 17:18
1 11

jetzt endlich

Bevor dieses URteil in Köln ergangen ist (wobei es sich um die Beschneidung eines muslimischen Kindes) gehandelt hat, hat sich niemand um die Beschneidung in der jüd.Religion,die am 8.Tag nach der Geburt erfolgen soll, gekümmert. Jetzt
werden von den "aufgeklärten Atheisten" alle REligionen angegriffen,wo besonders bzgl. des Judentums der Antisemitismus hervortritt.
Prof. Taschner hat dies durchschaut und wird deshalb von Personen angegriffen,die ihm wissenschaftlich nie das WAsser reichen können.

Antworten Gast: Ein Erschütterter
11.08.2012 16:42
4 0

Re: jetzt endlich

Natürlich gab es schon eine breitere Diskussion zum Thema vor dem Urteil, und in diesem Urteil geht es um eine muslimische Praxis, in der übrigens Buben typischerweise mit 7 oder 8 Jahren beschnitten werden.

Zur Wissenschaftlichkeit diese themenverfehlenden Diskussion:
Die behauptete "Harmlosigkeit" und "völlige Bedeutungslosigkeit" steht im offenen Widerspruch zur persönlichen Evidenz, wisenschaftlichem Forschungsstand (vgl. Sorrells et al, 2007: http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/j.1464-410X.2006.06685.x/full ) und gesellschaftlicher Wirklichkeit.
Ob dies tatsächlich ein "vernünftige[r] Standpunkt" ist, bleibt der Frage überlassen, inwieweit wir das Begriffskonzept einer rationalen Vernunft zu erweitern geneigt sind, die Formulierung ist aber in seiner apodiktischen Fassung, wie hier vorgebracht, letztlich sinnwidrig.
Auch die begründungsfreie Diffamierung von Betroffenen ist nicht gerade wissenschaftlich. (Zumindest kenne ich keine Methodik, die Insinuierung zu ihrem Instrumentarium rechnen würde.)
Tatsächlich ist die Argumentation auch in keinem Sinne zielgerichtet oder gegenstandsbezogen, sondern wäre geeignet, einen jeglichen elterlichen Übergriff im Namen einer Tradition zu verteidigen.
Inhaltlich fordert der Artikel auf, Betroffenen auch weiterhin das Ohr zu verschließen und uns durch fortgesetztes Nicht-Hinsehen eine gemeinschaftliche Mitschuld aufzuladen.

Ich hoffe sehr, niemals Prof. Taschner diesbezüglich das Wasser reichen zu können!

Antworten Gast: Melaniestuart
03.08.2012 09:22
4 1

Re: jetzt endlich

Das ist eine freche Lüge und da sieht man mit welchen Bandagen hier gekämpft wird. Seit Jahren, seit Jaaahren kämpfen wir um diese Debatte.

www.beschneidung-von-jungen.de klärt auf, diese Seite gibt es schon Jahre.

5 0

ja, ja, die bösen Atheisten!

Die haben es dem Herrn Prof. Taschner angetan! Atheisten, Menschen die nicht glauben, sind einem, der von Kindesbeinen an verinnerlicht hat, dass es das Ziel des Daseins ist zu glauben, suspekt. Unsere Gesellschaft ist immer noch gewöhnt, dass Moral und Ethik nur mit Transzendenz gegeben sein kann. Und irgend wie muss es den Atheisten daher daran mangeln. Aberes waren die Atheisten die zuerst die Menschenrechte unter Gefahr für Leib und Leben gefordert haben. Und jetzt kommen schon wieder diese Atheisten daher und monieren einen schmerzhaften Steinzeitritus als unmenschlich. Ja dürfen die das überhaupt?

Antworten Antworten Gast: justerix
02.08.2012 09:22
0 1

Re: ja, ja, die bösen Atheisten!

Die größten Verbrechen gegen die Menschlichkeit im 20. Jhdt. wurden von Religionsfeinden und Atheisten begangen(Hitler, Stalin,Mao).

 
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