23.05.2013 20:33 Merkliste 0

Jetzt endlich haben wir sie!

27.07.2012 | 18:24 |  Von Rudolf Taschner (Die Presse)

Wie man es „den Juden“ einmal so richtig zeigen kann: Unsere Kulturkämpfer mit ihrem Beschneidungsverbot sind Antisemiten reinsten Wassers.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Nicht einmal die Auseinandersetzung um das Aufhängen von Kreuzen in Schulklassen hat eine solche Welle von Kommentaren, Artikeln und Postings verursacht wie die durch das Urteil eines Kölner Gerichts ausgelöste Debatte, ob die Beschneidung von ein paar Tage alten männlichen Säuglingen – nur um diese geht es, wenn im Folgenden von „Beschneidung“ die Rede ist – erlaubt sein soll. Tatsächlich betraf das Kölner Urteil die Zirkumzision eines jungen moslemischen Buben, aber die Debatte hätte mit Sicherheit nie diese Vehemenz erfahren, wäre die im Judentum als fundamental und unverzichtbar geltende Beschneidung nicht zugleich eingeschlossen worden.

In jedem liberalen und zivilisierten Kulturkreis wäre das Urteil des Gerichts als Kuriosum eingestuft worden: Die Harmlosigkeit der Beschneidung, ihre völlige Bedeutungslosigkeit für das weitere irdische Dasein des Beschnittenen, der Respekt vor der Entscheidungsbefugnis der Eltern wie auch vor ihrer Tradition und Religion müssten in jeder aufgeklärten Gesellschaft den Konsens erwirken: Ein Verbot der medizinisch fachgerecht durchgeführten Beschneidung ist absurd.

In Deutschland nahm die classe politique sehr rasch diesen vernünftigen Standpunkt ein. Ob er zugleich von einer breiten Mehrheit der Bevölkerung vertreten wird, ist nicht sicher. Hierzulande jedenfalls versucht eine sich laut gebärdende Menge fundamentalistischer Befürworter eines Verbots der Beschneidung – nennen wir sie kurz „Kulturkämpfer“, denn sie sind es – die Öffentlichkeit auf ihre Seite zu ziehen.

Endlich hat, so verkünden die Kulturkämpfer, ein Gericht in Köln den Mut aufgebracht, ein Urteil gegen das für die Zugehörigkeit zum Judentum fundamentale Zeichen zu fällen. Und sie preisen die Begründung des Richterspruchs als so stringent, dass nur Verstockte ihm nicht folgen könnten: Die Beschneidung sei eine Verletzung ohne jeglichen Nutzen für den Betroffenen. Sie stehe der prinzipiell zu achtenden körperlichen Unversehrtheit eines Menschen entgegen. Religiöse Gesetze seien ohne Belang. Punkt. Wobei die brutale Heftigkeit, mit der sie vernünftigen Argumenten für die Zulässigkeit der Beschneidung begegnen, atemberaubend ist. An drei Beispielen, die bereits oben angedeutet wurden, sei dies erörtert.

Erstens: Der Staat hat die Beschneidung zuzulassen, weil es sich bei ihr um einen an Harmlosigkeit nicht zu unterbietenden Verletzungsakt handelt, der nie und nimmer auch nur die geringste körperliche Beeinträchtigung zur Folge hat.

Flugs präsentieren die Kulturkämpfer Expertisen und Leidensberichte von Beschnittenen, die derzeit wie Pilze nach dem warmen Sommerregen aus dem Boden schießen. In der Tat: Windige Mediziner drängen sich nach vor, malen deftig das Trauma, das die Beschneidung auslöse, an die Wand. Bis zu sechs Monate nach der Beschneidung könnten bei den Kindern Verhaltensauffälligkeiten beobachtet werden, wenn diese beispielsweise eine Injektion erhalten, warnt der eine. Auch auf die Mutter-Kind-Beziehung wirke sich die Beschneidung negativ aus. Von fatalen Folgewirkungen der Beschneidung schwadroniert der nächste. „Wenn das sensibelste Organ – die Vorhaut – entfernt wird, bedeutet das eine massive Einschränkung des sexuellen Empfindens.“

Und öffentlichkeitsgeile „Beschneidungsopfer“ kämpfen um die ersten Plätze in den Talkshows. Schon meldete sich der jüdische Filmregisseur Michal Schaap zu Wort: In seiner halbstündigen Dokumentation „Mom, Why Was I Circumcised?“ geht der Niederländer kritisch mit seinen eigenen Eltern ins Gericht: „Ich weiß nicht, wie sich Sex mit Vorhaut anfühlt. Es macht mich ärgerlich, dass jemand anderer für mich entschieden hat, was ich selbst wahrscheinlich nicht für mich entschieden hätte.“ Selbst der Naivste riecht hier den falschen Braten, den diese „Experten“ und „Opfer“ dem Publikum zubereiten – nicht aber die Kulturkämpfer in ihrer heillosen Verblendung.

Und um ihrer Position noch mehr Gewicht zu verleihen, ersetzen sie das Wort Beschneidung durch Genitalverstümmelung. In einer nicht zu überbietenden Perfidie werfen sie damit die Beschneidung mit der zu Recht zu ächtenden und von allen Gerichten der zivilisierten Welt zu verurteilenden Genitalverstümmelung junger Mädchen in einen Topf. „Verletzung am Genitalbereich ist beides“, insistieren sie. Gleichsam als ob kein Unterschied zwischen dem „Abschießen“ im Völkerball und den „Abschießen“ mit einem Gewehr bestünde.

Zweitens: Der Staat hat die Beschneidung zuzulassen, weil es sich hierbei um ein für das irdische Dasein des Kindes folgenloses Ritual handelt, mit dem die Eltern des Buben ihrer Verantwortung oder ihrem Glauben folgend das Kind in ihre Gemeinschaft integrieren.

Das Recht des Kindes auf körperliche Unversehrtheit habe absoluten Vorrang, antworten die Kulturkämpfer empört. Wie käme ein Unmündiger dazu, ungefragt einem Ritual unterzogen zu werden, das ihn irreversibel zum Mitglied einer Gemeinschaft macht, in der er später gar nicht sein möchte? Hier müsse – man sieht förmlich, wie sich die Kulturkämpfer, die Arme ausgebreitet, schützend vor das Kind stellen – der Staat eingreifen und Einhalt gebieten. Wobei ihm dies bei der Beschneidung sehr leicht gelingen sollte, weil es sich bei ihr tatsächlich um eine Verletzung handelt, wie arglos sie auch sein mag. Das Menschenrecht auf körperliche Unversehrtheit gebe dem Staat hinreichend Handhabe für ein Verbot.

Wären die Kulturkämpfer tatsächlich am Wohl der Kinder interessiert, müssten sie in einem Atemzug fordern, dass der Staat Schwangeren das Rauchen verbietet, dass rauchenden Eltern die Kinder entzogen und in die Fürsorge gesteckt werden – die Absurditäten häuften sich, nähme man dieses Argument der Kulturkämpfer ernst. Folgerichtig zu Ende gedacht wäre es aufgrund des Gleichheitsgrundsatzes Kindern nicht zuzumuten, entweder in einen armen oder aber in einen wohlstandsverwahrlosten Haushalt hineingeboren zu werden. Die kafkaeske Konsequenz wären staatliche Institute zur Kinderaufzucht nach der Geburt, besser noch: ab der Fertilisation in vitro und der Schwangerschaft in einem Brutkasten. Da waren die Nazis noch humaner, die Buben und Mädchen erst später in die HJ und zum BDM steckten.

Doch in Wahrheit geht es den Kulturkämpfern nur vordergründig um das Kindeswohl, um das Menschenrecht der körperlichen Unversehrtheit, um das Eingriffsrecht bei drohender Kindesmisshandlung. All das sind nur vorgeschobene Scheinbelege, die das eigentliche Herzensanliegender Kulturkämpfer verhüllen, nämlich den Kampf gegen das folgende Argument.

Drittens: Der Staat hat die Beschneidung aus Respekt vor dem Judentum zuzulassen, weil es sich hierbei um jenen fundamentalen religiösen Ritus handelt, mit dem der männliche Säugling in die jüdische Gemeinde aufgenommen wird.

Dieses Argument ist die Achse, um die sich das von den Kulturkämpfern in Gang gebrachte Karussell dreht: Sie vertreten deshalb so heftig und unnachgiebig ihren Standpunkt, weil sie es damit „Anhängern atavistischer Bräuche“, „verstockten Leuten, die auf uralten Mythen beharren“, „überholten und vom modernen Menschenrecht überwundenen Traditionalisten“, „Anhängern einer barbarischen Religion“ – auf Deutsch und unverhüllt: „den Juden“ – endlich, endlich, endlich einmal zeigen können: „Kommt in der Moderne an!“, rufen sie den Juden zu. „Werdet endlich normal!“

Und sie trumpfen auf, weil ihnen die Menschenrechte selbst scheinbar das Mittel in die Hand drückten, um gegen die elementare jüdische Zeremonie der Beschneidung vorgehen zu können. Und bedienen sich dabei hinterlistig des althergebrachten Opfermythos: Diesmal, so behaupten sie, sei der jüdische Säugling das Opfer. Und das Niederträchtigste in ihrer Gedankenkette: Diesmal seien sie fein raus. Denn die jüdische Gemeinde selbst, vertreten vom Beschneider mit seinem Skalpell, machte das Judenkind zum Opfer.

„Endlich, endlich, endlich haben wir sie“, frohlocken die Kulturkämpfer in ihrem Herzen, „die immer anders sein wollenden Juden.“ Endlich müssten sie ihre Sonderstellung räumen. Wie kämen sie dazu, dass viele ihr Jude-Sein auf der von ihren Vätern tradierten Religion begründen, obwohl manche unter ihnen selbst gar nicht mehr an Gott glauben, aber trotzdem die Zeremonien mit der gesamten Familie so halten wie noch vor Jahrtausenden? Dass andere wieder sich nur deshalb als Juden definieren, weil sie eine jüdische Mutter haben und – wenn männlich – natürlich beschnitten sind?

Die Kulturkämpfer sind Antisemiten reinsten Wassers. Einen solchen Vorwurf weisen sie wutentbrannt von sich: Sie hätten doch nichts gegen die Juden – natürlich nicht, solange nicht wichtige jüdische Ansprüche geltend gemacht werden. Sie könnten doch selbst zuhauf Juden nennen, die gegen die Beschneidung auftreten – eine Variation des alten Huts von den „vielen jüdischen Freunden, die man kennt“.

Sie würden doch mit der gleichen Vehemenz gegen die christliche Vereinnahmung von Kindern zu Felde ziehen – was die antijüdische Haltung nicht mindert; auch Hitler wollte sich nach den Juden noch die Christen vornehmen.

Sie hätten eine klare, durch Expertisen belegte Position eingenommen, die Juden einfach nur dazu zwinge, ihre Zeremonien an die Moderne anzupassen – der Antisemitismus hat stets mit Bedacht versucht, sich das Mäntelchen der Wissenschaft umzuhängen.

Sie wehren sich dagegen, mit der Antisemitismuskeule bedroht zu werden, weil dem Gegner die Argumente ausgingen – aber die Argumente, die beweisen, dass sich die Kulturkämpfer verrannt haben, liegen auf dem Tisch.

Ob sich viele Kulturkämpfer umstimmen lassen, ist fraglich. Manche Wohlmeinende schlagen vor, das heikle Thema am besten zu übergehen. Nach dem Sommerloch werden dringendere Fragen die Menschen beschäftigen. Dieser pragmatische Standpunkt ist wohl vernünftig. Allerdings muss man sich bewusst sein, dass man damit nur den Teppich über den Kehricht gebreitet hat, den Dreck aber nicht beseitigte.

Manche Gutmeinende glaubten, man könne mittels der „Aufarbeitung der Vergangenheit“ eine Generation heranziehen, die dem Antisemitismus gegenüber immun sei. All ihrer bemühten Aktionen zum Trotz müssen sie nun feststellen: Sie irrten sich. Willkommen in der Wirklichkeit! ■

Geboren 1953 in Ternitz, NÖ. Professor für Mathematik an der TU Wien und Betreiber von math.space im Wiener Museumsquartier. 2004 „Wissenschaftler des Jahres“. Jüngste Bücher (Ecowin Verlag): „Rechnen mit Gottund der Welt. Betrachtung von allem plus eins“, „Gerechtigkeit siegt – aber nur im Film“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.07.2012)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

195 Kommentare
Antworten Antworten Gast: justerix
02.08.2012 09:22
0 1

Re: ja, ja, die bösen Atheisten!

Die größten Verbrechen gegen die Menschlichkeit im 20. Jhdt. wurden von Religionsfeinden und Atheisten begangen(Hitler, Stalin,Mao).

Re: Re: ja, ja, die bösen Atheisten!

einer von diesen hatte womöglich blaue augen.
bin ich jetzt genauso böse?

1 0

Re: Re: ja, ja, die bösen Atheisten!

Sie haben sehr blinde Augen! Im Namen Gottes ist genug passsiert. Hier herrscht das Gleichgewicht des Schreckens!

Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: justerix
07.08.2012 10:57
0 0

Re: Re: Re: ja, ja, die bösen Atheisten!

Man soll die Anzahl der Toten die diese Verbrecher zu verantworten haben nicht gegeneinander aufrechnen, aber im Spectrum vom 4.8.2012 war zu lesen, dass Mao in China durch die willkürlich herbeigeführte Hungersnot in den 60igern des 20. Jhdts. den Tod von 30 Mio. Menschen versursacht hat; das haben die Religionen im Laufe von mehreren tausend Jahren nie
"geschaft".

Gast: Gerda Frey
01.08.2012 14:16
0 4

Bitte,bleiben wir bei der gelebten Realität

Seit über 30 Jahren kämpfen Frauen-organisationen gegen dieGenitalverstümmerlung von jungen Mädchen. Leider nicht immer mit Erfolg. Was für eine Qual!
Die Beschneidung eines 8 Tage alten Säuglings Genitalvestümmelung zu nennen, zeigt ein unglaubliches Unwissen und Gefühlslosigkeit.
Als moderne, jüdische Mutter von 3 Söhnen und 2 Enkelsöhnen bin ich immer dankbar gewesen,dass alle 5 beschnitten wurden.
Dies dauerte ca 20 Sekunden(durch einen Mohel) und niemand litt darunter.
Was haben manche meiner christlichen Freundinnen mit der Reinigung bei einer Verengung, und schlußendlich einige der Söhne Jahre später wegen einer notwendigen Beschneidung(Phimose)gelitten.! Fragen Sie realistischerweise in Ihrer Umgebung nach!

2 0

Als moderne, jüdische Mutter von 3 Söhnen und 2 Enkelsöhnen bin ich immer dankbar gewesen,dass alle 5 beschnitten wurden.

Und jetzt mit diesem Outing haben Sie die Psychologie auf ihrer Seite. Wer immer sich von ihren Söhnen und Enkeln einmal nicht so gut wegen der Beschneidung fühlt, aus welchem Grunde auch immer leiden sollte und das öffentlich äußern will, steht dann vor dem Dilemma, entweder zu schweigen oder einen Vorwurf an Mutter oder Großmutter machen zu müssen.

2 0

Re: Bitte,bleiben wir bei der gelebten Realität

Frua Frey hat nur in ihrer eigenen Umgebung nachgefragt! Tolle Analyse! Man eilt eben den Gesinnungsgenossen zu Hilfe, wo man kann! Steínzeitriten heute verteidigen als modern, dass muss man mal zusammenbringen!
Mit der gleichen Hingabe werdrn auch die Homöopathie und die Bachblüten verteidigt.

10 0

Si tacuisses philossophus mansisses!

Hätten Sie bloß geschwiegen - Sie wären ein geachteter Forschergeblieben, aber mit diesem gegen jede wissenschaftliche Logik vom Ende aufgezäumten Pferd haben Sie sich einen Bärendienst erwiesen.

Ich fühle mich in mehrfacher Hinsicht persönlich angegriffen, da ich - wie augenscheinlich sehr viele andere auch - hinter den religiös motivierten Beschneidungen (gerade als Jurist) schlicht und ergreifend eine Körperverletzung sehe, die nicht mehr heilt!

Ich fühle mich angegriffen, da ich:
- dem jüdischen Glauben in seiner tiefen Weisheit deutlich näher stehe als "meinem" Christentum
- einen jüdischen Freund habe, mit dem ich trefflich über Gott und die Welt streiten kann
- und letztlich medizinisch, weil ich mit sechs Jahren wegen Vorhautverengung operiert wurde und ich mich - anders als Sie ("kleiner unbedeutender Eingriff") - noch sehr gut an eine äußerst schmerzhafte Woche erinnern kann und dabei wurde bei mir die Vorhaut nicht einmal entfernt!

Wenn es abzuwägen gilt: Körperverletzung gegen "Relgionsfreiheit", so hat definitiv die körperliche Unversehrtheit den Vorzug!

Wie anders ist es zu interpretieren, dass sich das Pflegschaftsgericht einschaltet, wenn Zeugen Jehovas ihren Kindern keine medizinisch indizierte Bluttransfusion zukommen lassen wollen, auch hier geht das Kindeswohl vor.

Beschneidung als symbolischer Akt z.B. in Form eines Pieksers mit der Nadel und einem Tropfen Blut - OK, aber Verstümmelung von Kindern - Nein, und zwar gänzlich ohne Antisemitismus!

Gast: Georg Mark
01.08.2012 11:11
10 0

Hört die Logik nach der Mathematik auf, Herr Taschner?

Sie sind zweifellos ein exzellenter Mathematiker, aber dieser Artikel läßt alles vermissen, was Sie als Mathematiker täglich benötigen, nämlich von konkreten Gegebenheiten ausgehend logische Schlüsse ziehen zu können. Sie gehen vom erwünschten Endresultat aus: alle Menschen, die Beschneidungen hinterfragen, sind Antisemiten und bringen nicht einen einzigen Beweis dafür. Wenn Sie in der Wissenschaft so agieren würden, würde man Sie mit Schimpf und Schande aus jeder Uni jagen.
Ich bin - da selbst Forscher - tief enttäuscht, wie pubertär man als führender Wissenschaftler werden kann.

Gast: Tim
01.08.2012 00:17
6 0

Was für ein furchtbar ahnungloser Artikel

Unglaublich, dass Hr. Taschner sich nicht zu schade ist, nachweislich falsche (und einfach zu recherchierende) Aussagen zu machen, nur um ein bisschen Polemik üben zu können.

Die Beschneidung ist nicht harmlos. Viele Kinder sterben an den Komplikationen.
Die Beschneidung ist nicht ohne Bedeutung für das weitere Leben: Es gibt genug wissenschaftliche Studien, die zeigen, dass damit den empfindlichste Teil des Penis entfernt wird.
Und die Beschneidung ist durchaus vergleichbar zu den weniger gravierenden Formen der weiblichen Genitalverstümmelung, die völlig zu Recht verboten sind.

Erwachsene Opfer, die sich öffentlich melden, werden abgetan. Man stelle sich den Aufschrei vor, würde man das, mit derselben "Argumentation" mit Missbrauchsopfern tun...

Aber mit den richtigen Filtern im Kopf ist es dann sicher viel einfacher, gleich alle Kritiker an dieser barbarischen Verstümmelung von Hilflosen als "Antisemiten" abzutun.

Gast: meinrad
31.07.2012 09:49
2 1

Zahlen aus Holland

Ich hoffe, dass die Zahlen die ich hier nenne auch einigermaßen stimmen, aber in Holland - Zahlen aus anderen Ländern habe ich leider nicht gefunden - beträgt der dem jüdischen Glauben zuzurechnende prozentuelle Anteil an der Gesamtzahl durchgeführter, religiös motivierter Beschneidungen, gerade mal 0,5%. Außerdem wird bei den Juden bereits am achten Tag beschnitten.

Ich glaube, dass das Beschneidungsthema vorrangig eine Art Stellvertreter-Thema ist, in dem sich über die Jahre aufgestaute und von der Politik heruntergespielte, gesellschaftliche Inkompatibilitäten zwischen Christentum und Islam entladen. Hier steht im Volk primär der Islam im Fokus der Empörung.

Könnte es ein, dass das subjektiv, emotional verträgliche Maß an Moslems mit ihren teils radikalen gottesstaatlichen Tendenzen bereits überschritten ist? Rechte Gesinnung fällt nicht einfach so vom Baum. Dem geht ein Entwicklungsprozess voraus, der Ursachen hat. Aber unsere Politiker zündeln seit Jahren gefählich an dieser Lunte, indem sie Fakten negieren - negieren müssen.

Man möge im Zusammenhang mit einer gesetzlichen Legitimierung von Beschneidung, die Schāfiʿiten, eine der vier traditionellen Rechtsschulen (Madhahib) des sunnitischen Islams, nicht vergessen. Anders als bei den drei anderen sunnitischen Rechtsschulen, die die weibliche Beschneidung “nur” in unterschiedlich starker Ausprägung befürworten, ist bei den Schāfiʿiten “circumcision obligatory upon men and women“.

Kommunisten

Alle, die für die Beschneidung sind, sind Kommunisten. Mir ist es egal, ob Menschen meinen sie müssten ihre Kinder verstümmeln aus falsch verstandener Gottesliebe. Besser Teilen der Genitalien verstümmeln, als dass sicher Eltern für ihr “schmutziges “ Kind schämen und Ehrenmorde begehen. Mittelalter halt.

Gast: incredible hulk
31.07.2012 08:18
5 0

kein unbedeutender fetzen haut

die vorhaut ist nicht bloß dazu da, die eichel zu bedecken. an der innenseite befinden sich eine menge sexuell empfindsame nervenzellen, so wie auf de eichel selbst.
wenn die vorhaut bei erigiertem glied zurück gezogen wird, liegt diese empfindsame innenseite frei, und somit ist auch bis 3cm hinter der eichel der penisschaft sexuell empfindsam.
wer beschnitten ist, dem fehlen ca 36cm2 sexuell empfindsame oberfläche am penis. es bleibt ihm nur die eichel, und selbstt die ist (weil immer freiliegend) abgestumpfter.
jeder unbeschnittene mann kann dies leicht nach vollziehen.
wenn taschner meint, die beschneidung wäre ein "völlig belangloser eingriff", dann leugnet da offenbar ein blinder dass es farben gibt

Gast: jacob
31.07.2012 00:09
14 0

Ich oute mich

Ich bin Jude und beschnitten, weil ich es mir nicht aussuchen konnte. Ich selbst zähle mich - anders als meine Eltern - zu den reformierten, liberalen Juden und bin gegen die Beschneidung. Und ich schäme mich für Aussagen, wie ich sie von Muzikant, Taschner etc. in dieser Diskussion höre oder lese.

Wer sind die Juden, die hier unsensibel die Nazikeule schwingend eine berechtigte Diskussion mit dem Holocaust vergleichen und deren Glaube nur an der Vorhaut zu hängen scheint? Meine orthodoxen Glaubensbrüder, die sogar in Israel die liberale Mehrheit im Volk tyrannisieren.

Viele religiöse Vorschriften und Gebote aus Christentum, Islam, Judentum usw. stammen aus Zeiten, in denen der einfache Bürger weder lesen noch schreiben konnte. Dass sich ein Penis leicht entzündet, wenn man in Wüstengegenden lebt, schwitzt und die hygienischen Verhältnisse alles andere als optimal sind, liegt auf der Hand. Dass Schweinefleich schneller verdirbt als anderes Fleisch ist uns heute klar. Die Pest war letzten Endes auch ein Hygieneproblem. Das hätten die Menschen damals aber nicht verstanden. So wurden Krankheiten als Strafe Gottes gedeutet. Religiöse Führer waren die geistige Elite die wusste, dass man das Volk nicht mit medizinischen aber religiös begründeten Ge- und Verboten erreichen kann. Mit der Beschneidung verhält es sich ebenso.

Wir leben nicht mehr im Mittelalter und der Eiskasten wurde zwischenzeitlich auch erfunden. Warum sollte also Religion in anachronistischen Dogmen verharren?

Antworten Gast: _georg_
01.09.2012 13:13
1 0

Re: Ich oute mich

Hallo Jacob,

vielen Dank für diesen Beitrag. Wenn man ständig als Antisemit beschimpft wird, nur weil man sich für das Kindeswohl einsetzt, ist es wohltuend, bestätigt zu bekommen, dass man eben auch für einen wohl nicht unerheblichen Teil der Juden (und Muslime) spricht.

Genitalverstümmelung ist harmlos?!

Schau dir doch mal ein Video davon an!

Gast: zyx
30.07.2012 21:58
10 0

Das war’s dann!


Die Beschneidungdiskussion in der Presse folgte durchaus der Problemstellung des Kölner Landgerichtes: Sind die Kinderechte dem Recht auf Religionsfreiheit unterzuordnen?

Sollte es noch Beiträge geben, die antisemitisch sind oder gar gegen das Verbotsgesetz verstoßen, dann ist es ja jederzeit möglich, diese der Redaktion zu melden.

Ich denke die Redaktion scheut sich nicht, so etwas zu löschen.

Nach dieser extremen Generalisierung erübrigt sich eigentlich jeder weitere Beitrag: wer Kinderrechte über die Religionsfreiheit stellt, der ist ein Antisemit – vielleicht auch ein KellerNazi oder noch was schlimmeres.

mich einen antisemiten schimpfen ist es wert, den autor zu verklagen

wollte ich ursprünglich schreiben.

aber der inhalt dieses "kommentars" ist derart hanebüchen und dem normalen taschnerkommentar nicht würdig, dass ich vermute, der herr taschner bezweckt etwas anderes damit.

gratulation für diesen subversiven artikel

Ich bin ein Kulturkämpfer

Meine Großmutter war eines der ersten Nazi-Opfer und wurde von ihnen vergast. Weil ich gegen die Beschneidung von Unmündigen bin, lasse ich mich von Herrn Taschner, den ich als Mathe-Pädagogen sehr schätzte, nicht als "Antisemiten reinsten Wassers" bezeichnen!
Ich nehme den Kulturkampf auf!
Sie werden noch sehen, Herr Taschner, wie er nun beginnt!

Antworten Gast: justerix
01.08.2012 21:14
0 1

Re: Ich bin ein Kulturkämpfer

Tja, Hr.Kulturkämpfer; aber denken`s daran:Wer Wind sät, wird Sturm ernten!
Schon Bismarck ist mit seinem Kulturkampf
schließlich gescheitert.

Re: Ich bin ein Kulturkämpfer

Habe im obigen Posting übersehen meinen Namen bekannt zu geben:
Sepp Rothwangl
Obmann der Plattform kirchlicher Gewalt und
Mitinitiator des Volksbegehrens gegen Kirchenprivilegien
PS:
Der Griff an die Genitalien Unmündiger durch machtbesessene jüdische und moslemische Geistliche oder sexuell motivierte christliche Kleriker wird das Ende dieser Unkulturen und ihres Aberglauben auslösen. Die wirklichen "Zeichen der Zeit" werden das wahre Licht an den Tag bringen!

Totschlagargument Antisemitismus

Herr Taschner, auf Ihre vermeintlichen Argumente einzugehen lohnt wohl nicht, da Sie in dieser Hinsicht ganz offensichtlich unbelehrbar sein dürften.

Es ist Ihr gutes Recht, die Beschneidung gutzuheißen und zu verteidigen. Aber Gegner der Beschneidung – ich bezeichne sie als Verstümmelung – einfach und pauschal als wütende Antisemiten, die nur auf diese Gelegenheit gewartet hätten, zu diffamieren, ist eine unglaubliche Unverschämtheit. Eine solche Entgleisung, die auch mich persönlich trifft, kann ich nur als Tiefpunkt in dieser gesamten Diskussion bezeichnen; sie entbehrt im Übrigen auch jeder Logik.

Ich habe in den letzten Wochen unzählige Texte auch von Befürwortern der Beschneidung gelesen, aber nicht einen, der von solcher Verachtung gegenüber Andersmeinenden erfüllt war. Ich kann dazu nur sagen, dass Sie sich schämen sollten, einen solchen böswilligen, jeden Verständigungswillen vermissenden Kommentar abgegeben zu haben. Sie bemühen sich nicht im Geringsten, gegenteilige Standpunkte in ihrer Ernsthaftigkeit und Besorgnis wahrzunehmen. Wer in einem Kommentar so um sich schlägt, verlässt insbesondere als Angehöriger einer Universität, der sich eigentlich einem rationalen Diskurs verpflichtet fühlen sollte, den Boden einer fairen und um Lösung bemühten Auseinandersetzung.

Wer so argumentiert, sucht in der Tat den Kulturkampf.

Univ.-Prof. Dr. Uwe Lehnert, Berlin

Antworten Gast: ignorian
30.07.2012 20:37
0 6

Re: Totschlagargument Antisemitismus

Sie bemängeln, dass er den Kulturkampf sucht. Wenn es sie stört, können Sie sein Kommentar einfach ignorieren.

Antworten Gast: lustziig
30.07.2012 20:34
0 0

Re: Totschlagargument Antisemitismus

Bitte noch einmal lesen. Vielleicht meint er es nicht ganz ernst? Für mich ist "Endlich haben wir sie!" lustig.

Re: Totschlagargument Antisemitismus

Sehr geehrter Hr. Lehnert,
der Sie Ihren Diskursgegner gerne als "Hr." ansprechen, um sich selbst mit vollem Titel zu präsentieren, Sie verlangen vom Autor eine "faire und um Lösung bemühte Auseinandersetzung".

Warum sollte er?

Österreichische Zeitungen aller Couleurs sind prall gefüllt mit wütenden Verteidigern jüdischer und islamischer Knaben, deren Argumente durchaus als odios, herablassend und auf "Ausländer-raus" Niveau zu bezeichnen sind.

Erschwerend kommt hinzu, dass Menschen, die mit der Sache nicht vertraut sind, ihre eigene Autorität als Universitätslehrer für was-auch-immer missbräuchlich in die Waagschale werfen und, oder um, noch weiter Öl ins Feuer des Fremdenhasses zu schütten.

Ob jenen und Ihnen dies bewußt ist, ist mir nicht klar, dieser Gruppe gehören Sie aber nolens-volens an.

Es ist geradezu grotesk, dass Sie von anderen Rationalität einfordern, wenn Sie einen Ritus pejorativ als Verstümmelung dikreditieren, zu dem Jahrtausende Erfahrung vorliegen und der in medizinischer Form von der WHO sogar empfohlen wurde.

Taschner verachtet nicht die Andersmeinenden; er verachtet die Antisemiten.

13 0

Re: Totschlagargument Antisemitismus

Nicht alle Menschen und vor allem nicht alle Hochschulangehörigen "denken" so wie Prof. Taschner.
Leider ist der folgende Beitrag on-line in der Presse nicht so leicht zu finden. Man ist geneigt anzunehmen, dass dies der Redaktion bzw. ihren Leitartikelschreibern mit ihren gesellschaftlichen Verflechtungen nicht unnagenehm ist.
http://diepresse.com/home/meinung/wisskommentar/1270071/Religionsfreiheit-oder-Kindesmisshandlung?from=home.science.sc.p1

Antworten Antworten Gast: zyx
30.07.2012 21:06
1 0

ein weiterer presseartikel


Statt eines Kommentars zu Prof. Taschners ein Beitrag zum Missbrauch der Religionsfreiheit von Peter Singer.
Diesem Mann ist sicher nicht Antisemitismus vorzuwerfen

http://diepresse.com/home/meinung/gastkommentar/1259514/Religionsfreiheit-zwischen-Anspruch-und-Missbrauch


Re: Re: Totschlagargument Antisemitismus

Ich bin davon überzeugt, dass die ganz große Mehrheit der Kollegen des Prof. Taschner – unabhängig von ihrer Einstellung zur Beschneidung – zu einem fairen und rationalen Dialog fähig und willens ist. Das Verhalten des Kollegen Taschner ist höchst bedauerlich und wohl nicht nur mir unverständlich.


Gast: luay
30.07.2012 08:09
15 0

Ein Erlebnisbericht

Ich wurde im Alter von 4 Jahren beschnitten. Wenn man liest, dies sei ein harmloser Eingriff, ohne physische oder psychische Beeinträchtigung des Kindes – ein kleiner, harmloser „Routineeingriff“ sozusagen – dann darf ich Sie eines Besseren belehren.

Es war eines der traumatischsten Erlebnisse meines Lebens. Ich konnte das in keinster Weise einordnen und war in totaler Panik. Meine Eltern, deren Nähe mir so wichtig war, die mir Geborgenheit gaben, lieferten mich einem mir fremden Mann aus, der an meinen Genitalien herumfuhrwerkte, mich verletzte, mir weh tat und dabei lächelte. Meine Eltern und viele mir damals unbekannte Verwandte jubelten und freuten sich, während ich, vollkommen wehrlos den Geschehnissen ausgeliefert war.

Ich hatte noch Jahrzehnte danach, Alpträume, Angstzustände und Beklemmungsgefühle in Räumen mit laut feiernden Menschen. Erst als mir klar wurde, welchen Ursprungs diese Zustände waren, verschwanden sie. Geblieben ist das Gefühl von ohnmächtiger Wut. Das liebevolle Vertrauensverhältnis zu meinen Eltern wurde nachhaltig geschädigt. Wie konnten sie es nur zulassen …

Wenn man das nicht am eigenen Leib erleben musste, hat man keine Ahnung, welch tiefgreifende Verletzungen man einem Kind an dessen Seele zufügt. Jedes Mal beim auf die Toilette gehen oder anderen Tätigkeiten, bei denen ich meinen Penis berühre, werde ich an dieses traumatischen Erlebnis erinnert.

Ich bin für ein klares Verbot. Denkt an die verletzten Seelen der Kinder.

Re: Ein Erlebnisbericht

Danke für die offenen und ergreifenden Worte!

Antworten Gast: DavidWean
30.07.2012 20:39
3 0

Re: Ein Erlebnisbericht

Servus Luay! Das ist der erste absolut nachvollziehbare Bericht, die erste nachvollziehbare Argumentation gegen die Beschneidung hier im Forum. Gratulation! Grüße an alle.

Antworten Gast: desweegen
30.07.2012 20:38
0 3

Re: Ein Erlebnisbericht

Deswegen macht man es mit acht Tagen.


Antworten Antworten Gast: Valentin Bählamm
30.07.2012 20:42
0 0

Re: Re: Ein Erlebnisbericht

Haben Sie nachgesehen, wer der Autor ist? Ist das eine glaubwürdige Quelle zum Zitieren?

0 0

Re: Re: Re: Ein Erlebnisbericht

http://en.wikipedia.org/wiki/Charles_Hirshberg

hier ist zu lesen: Jump to: navigation, search Charles "Chuck" Hirshberg is an American journalist and sportswriter. He primarily writes for large-circulation magazines. His articles and columns have appeared in Time, Sports Illustrated, Life, the Los Angeles Times, the Washington Post, Men's Health and other publications. As of 2002, he was an editor of Popular Science. His mother is the astrophysicist Joan Feynman and his late uncle is Richard Feynman, Nobel Prize winning Physicist.

Ob er durch die prominente Verwandtschaft und Herkunft eine glaubwürdige Quelle ist?


10 0

Re: Ein Erlebnisbericht

Ich danke Ihnen für ihren höchst persönlichen Beitrag!
Hoffentlich werden noch mehr solcher Beiträge von persönlich Betroffenen veröffentlicht. Man kann annehmen, dass es für die Betroffenen nicht leicht ist, dazu etwas zu sagen. Und dazu kommt noch, dass eine Kritik wie auch immer als Äußerung gegen die jeweilige Gemeinschaft verstanden werden kann bzw. als solche ausgelegt werden kann. Ein Umstand der die Betroffenen zusätzlich isoliert. Erst wenn viele Betroffene ihr Zwangserlebnis schildern, wird es für weitere erst möglich sein, aus dem Schatten der Verdrängung zu treten!

Gast: Weller
30.07.2012 04:10
9 0

Ich möchte mir doch die Mühe machen...(Teil1)

auf einiges in dem Artikel im Detail einzugehen, sonst glaubt Hr. Dr. Taschner noch, die vielen negativen Postings würden ihm allesamt Unrecht tun.
Zu Beginn verordent der Autor seine persönliche Ansicht über die Beschneidung ganz selbstverständlich gleich 'jeder aufgeklärten Gesellschaft als Konsens' ohne für seine Behauptungen die Beschneidung sei harmlos, keine körperliche Beeinträchtigung, für das Dasein folgenlos und aus Respekt vor dem Judentum zu akzeptieren auch nur eine einzige Begründung zu geben.

Stattdessen geht es gegen sog. 'Kulturkämpfer'- ein ziemliches Nebenthema, das man in einem Absatz abhandeln könnte - und deren angebliche Irrtümer, vorgeschobene Besorginsse und verdeckte Absichten (was aber alles nach Logik noch kein Argument FÜR die Beschneidung darstellt).
Wenn die 'Öffenlichkeit' aber schon auf einer ganzen Druckseite vor dieser speziellen Gruppe von Beschneidungsgegnern gewarnt werden muss, dann bitte ohne haarsträubend unplausible Argumentationslinien und falsche Zuschreibungen. Denn: selbst radikale 'Kulturkämpfer' werden wahrscheinlich einsehen, dass rauchende aber fürsorgliche Eltern besser für das Gesamtwohl des Kindes sind, als Kindesentzug und 'staatliche Kinderaufzucht' und folglich den Anspruch der körperlichen Unversehrtheit auf Beschneidung und dgl. beschränken. Und wieso bitte soll bei Wohlstandsverwahrlosung oder gar Armut (!) Kindesentzug die zwingende Konsequenz sein? Als ob es kein soziale oder finanzielle Hilfe gäbe! ....

1 0

Re: Ich möchte mir doch die Mühe machen...(Teil2)

...Und warum muss jemand der körperliche Unversehrtheit (wohl als MINDESTSTANDARD!) fordert, überhaupt ein (weiter gefasstes) Kindeswohl verlangen um glaubwürdig zu sein? Der Vergleich der 'Kulturkämpfer' mit den 'humaneren Nazis' die Kinder 'in HJ und BDM steckten' ist da nur mehr der ungustiöse Abschluss. Die Jugend wurde in der HJ gedrillt, indoktriniert und am Ende z.T. als Flakhelfer und im Volksturm verheizt, Hr Dr Taschner! Oder haben Sie das mit den Pfadfindern verwechselt?
Antisemitismus schließlich (noch dazu 'reinsten Wassers') bedeutet eine PAUSCHALE ABLEHNUNG der Juden und des Judentums über die Religion hinaus, wie z.B. Unterstellung schädlichen Einflusses auf die Gesellschaft oder falsche Schuldzuweisungen (Googeln hilft wenn man's nicht weiss!). Die Kritik an einer EINZELNEN rel. Praxis (Beschneidung) ist aber keine pauschale Ablehnung jüdischer Mitbürger. Ich meine, dass die sog. 'Kulturkämpfer'- so wie sie hier geschildert werden- darüber hinaus höchstens eine allgemeine Religionskritik (meinetwegen auch ein Religionsbashing) gegen christl., jüdische, etc. Religionen GLEICHERMASSEN üben. Dafür jemandem Antisemitismus statt Antireligiosität zuzuschreiben ist, gelinde gesagt, höchst irreführend. Ähnliches gilt für das Auftreten gegen christl. und jüdische Vereinnahmung von Kindern, wo noch so ein abwegiger Vergleich nachgelegt wird: 'auch Hitler wollte sich nach den Juden die Christen vornehmen'. Das halte ich selbst bei einem Pamphlet für jenseitig!

Gast: Sueton
30.07.2012 01:46
9 0

Si tacuisses ...

Schuster, bleib' bei Deinen Leisten!

Gast: Indrid Cold
30.07.2012 01:19
12 0

Willkommen im 21. Jahrhundert!

lieber herr taschner,
wir leben im 21. jahrhundert. beschneidungen -egal welcher art!- an unmündigen gehören natürlich untersagt. eine religion, deren existenz nur von der einhaltung der von MENSCHEN erdachten riten und vorschriften abhängt, ist nur mehr hülle für machtpolitische bestrebungen. wir leben in einem säkularen staat (leider mit konkordat), in dem auch religion sich den staatlichen gesetzen unterzuordnen hat. beschneidung zu hinterfragen, ist kein antisemitismus oder antiislamismus. es ist FREIE REDE; die ist auch nicht von juden, katholiken oder sonstigen religionsinstitutionen in frage zu stellen. PUNKT.

dieser artikel ist daher nur peinlich tendenziös, untergriffig und boulevardesk... aber schon klar: die "presse" -als zentralorgan der konservativen wirtschafts"elite"- muss religionsmachtbestrebungen verteidigen, sonst könnte ja irgendwann (bald hoffentlich) die katholische kirche ernsthaft hinterfragt werden....

counter-revolution makes strange bedfellows.

Re: Willkommen im 21. Jahrhundert!

Anscheinend haben Sie keine Kenntnis von wissenschaftlichen und medizinischen Studien über die Beschneidung.

Ein wenig Studium wenn man ""Do Americans circumcise their boys?" Googled könnte Ihre einseitige, festgefahrene Meinung möglichersweise ändern.

Gast: Dubi
29.07.2012 22:41
2 13

DANKE

Danke Herr Taschner. Endlich mal ein guter Artikel zu dieser Hexenjagd.

Gast: Cassandro
29.07.2012 20:29
7 0

Neid

Da sieht wohl ein begabter Mathematiker mit pathologischem Geltungsdrang seine Felle davonschwimmen.

Dieser Kommentar ist der Presse nicht würdig.

Re: Neid

Ich lese die Presse weil dieses Blatt auch die Meinungen von Andersdenkenden veröffetnlicht. Vielleicht sollten Sie bei der Krone bleiben?

Antworten Antworten Gast: ueberleger1
30.07.2012 20:43
0 0

Re: Re: Neid

War ja klar das SO ein Post SO eine Antwort nach sich zieht :-) Cassandro, überlegen Sie nächstes Mal besser.

18 0

Re.: "Willkommen in der Wirklichkeit!"


Sofern man veranschaulichen wollte, auf welches Niveau ein Debattenbeitrag absinken kann, so ist dies mit dem vorliegenden Artikel eindrucksvoll gelungen.

Willkommen in der Wirklichkeit 2012: Wenn du nur wenige rationale Argumente hast, dann diffamiere und verwende plakative und pejorative Bezeichungen für Andersdenkende, stelle reihenweise Popanze in den Raum und mähe sie wortreich nieder, immunisiere deine These durch absurdes Verzerren anderer Sichtweisen und der Behauptung, andere Standpunkte seien einzig und allein durch niedere Motive vertretbar.

Respekt, Herr Taschner, Sie haben wirklich nichts ausgelassen, was in einer redlichen Debatte zur sofortigen Disqualifikation führte.

13 0

rational - wissenschaftlich - aufgeklärt - emotional - religiös und mythologisch


Die Debatte ist geprägt von Eigenschaften wie „rational“ „wissenschaftlich“ „aufgeklärt“ auf der einen Seite und „emotional“ „religiös“ und „mythologisch“ auf der anderen Seite.

Und offenbar ist es so, dass diese Eigenschaften nicht automatisch gekoppelt sind bzw. miteinander auftreten. Man ist versucht zu meinen, dass Aufklärung, Wissenschaft und Rationalität irgendwie zusammengehören und Emotionalität, Religiosität und Mythologie ebenfalls. Aufklärung und Wissenschaft passen eher zu Rationalität und Religion passt eher zu Mythologie und Emotion. Dem ist aber nicht immer so.
Wenn nun ein Mensch und anerkannter Wissenschafter wie Prof Taschner, dessen Ruf es ist, besonders aufgeklärt, rational und wissenschaftlich zu sein, diesem seinen Ruf völlig zu wider handelt, so ist die Frage nicht zu verhindern, warum er dies tut. Warum wird er so emotional? Warum auf einmal wird er so religiös? Warum vertritt er auf einmal mit Vehemenz Bräuche und Sitten, die mit rationalen, wissenschaftlichen und der Aufklärung verpflichteten Argumenten nicht ohne logische Brüche vertreten werden können. Warum ist er auf einmal nicht stringent? Er der quasi verinnerlicht hat, wo eine Argumentation beginnt und wie diese logisch und durchgehend zu sein hat, damit sie anerkannt werden kann, lässt das alles auf einmal fahren.

Was und wem soll dieses plötzliche konträre Verhalten nützen. Warum blendet er völlig aus, was seiner Ansicht zuwider läuft. Warum lässt er sich hinreißen Argumente von einer Qualität zu bringen, die er sonst nicht dulden würde?

Fundamentalisten

Zitat Taschner:

"eine sich laut gebärdende Menge fundamentalistischer Befürworter eines Verbots der Beschneidung"

Soso! Fundamentalisten sind also jetzt nicht mehr diejenigen, die Gebote eines Jahrtausende alten Buches 1 zu 1 in der Gegenwart umsetzen wollen, sondern die, die sagen: Stop...wir hatten in der Zwischenzeit so etwas wie die Entwicklung der Menschenrechte, lasst uns doch mal diskutieren, ob diese alte Vorschrift damit überhaupt auf Deckung zu bringen ist. Und damit nicht genug, sind diese Neo-"Fundamentalisten" auch gleich noch per se "Antisemiten reinsten Wassers".

So spricht ein Mathematiker und Wissenschaftler! Da bleibt einem die Spucke weg.

Peter Zangerl

14 0

Windige Ärzte

"Windige Mediziner drängen sich nach vor,..."

in der Tat:

"Recommendation: Circumcision of newborns should not be routinely performed."

(die windigen Mediziner von der Canadian Paediatric Society)

Top-News