Wenn Gott tot ist

Ich hoffte und hoffe immer noch, ich warte noch immer auf etwas, und ich weiß nicht, was es ist. Etwas fehlt mir, und ich finde es nirgends. – Der Nachlass: aus den „Memoiren“.

BRIGITTE SCHWAIGER
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BRIGITTE SCHWAIGER
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Unser Pfarrer in Freistadt hieß Kittinger und war ein sehr beleibter Mann. „Ihr werdet mein Fleisch essen und mein Blut trinken!“ Er ruft es auf der Promenade, in der Nähe des Marianums, es ist ein heißer Tag, wir Mädchen, weiß gekleidet, die Fronleichnamsprozession mit ihren Stationen auf dem Weg rund um die Stadt, mit einem Lautsprecher, und der Pfarrer steht im Schatten einer Baumkrone, er fordert uns auf, ihn zu essen und sein Blut zu trinken, ich esse nur den Salat, nehme ich mir vor, und unser Pfingstrosenstreuen, wir tragen Pfingstrosen in den Körbchen, und alle gestreuten Pfingstrosenblütenblätter werden von den Nachkommenden zertreten, das kann doch der liebe Gott nicht wollen, dass wir so mit seinen Blumen umgehen.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.09.2012)

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