Die Frau ohne Namen

Eine Frau, ein Hund, eine Kuh und eine Katze, sie alle sind zum Überleben verurteilt – innerhalb einer Grenze, die sie nicht überschreiten können. Marlen Haushofers Roman „Die Wand“, verfilmt von Julian Pölsler.

Nicht dass ich fürchtete, ein Tier zu werden, das wäre nicht sehr schlimm, aber ein Mensch kannniemals ein Tier werden, erstürzt am Tier vorüber in einen Abgrund“, heißt es in Marlen Haushofers Roman „Die Wand“ aus dem Jahr 1963. Unumkehrbar wie bestimmte chemische Reaktionen, wie aber auch die Zeit, erscheint dieser Verlauf der Menschwerdung, nach dem der Mensch trotz vieler gemeinsamer Merkmale nicht mehr ins Tiersein zurück kann. Was nicht heißt, dass er gegen den tiefsten Fall gefeit wäre, nämlich den ins Untierhafte, bar jedes tierischen und menschlichen Anstands. So wie jener Erzengel, ursprünglich ein Lichtbringer, der auch nicht in den Menschen, aus dessen Wahrnehmung er sich erhoben hatte, zurückfallen konnte, sondern in einen noch tieferen Abgrund, der als Hölle in die Religionsgeschichte eingehen sollte, gestürzt wurde. Noch immer im Rang eines Fürsten, wenn auch des der Finsternis.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.09.2012)