Was kostet ein Politiker?

Durch den Wald vor Kiew sehe ich ein kleines Rudel jener Hunde streunen, die ausgesetzt wurden. Die Hunde fliehen in die Wälder. Entweder sie krepieren dort. Oder sie verwandeln sich in Wölfe zurück. Die Ukraine vor den Parlamentswahlen.

Košice-Uschgorod. Nach vielen Jahren fahre ich wieder mit dem Autobus über die slowakisch-ukrainische Schengengrenze. Alles ist anders. Auf sämtlichen Fensterplätzen haben Kartons mit Joghurts, Chips und Biskotten Platz genommen. Außer mir gibt es nur einen authentischen Fahrgast, eine junge ukrainische Nonne, die später in einer tschechischen Sexualberatungsbroschüre für Pubertierende versinken wird. Die Nonne starrt die Lebensmittel an wie das biblische Manna. Es dauert, bis wir das neue Schmuggelschema verstehen: Wegen der geringen Preisunterschiede zwischen der Slowakei und der Ukraine lohnt nur der Transport von großen Mengen Aktionsware, die man nur unter Mitarbeit eingeweihter ukrainischer Zöllner über die Grenze bekommt. Die Umsatzsteuer holt man sich legal zurück, das schmuggelnde Personal ist auf drei athletische Frauen reduziert.

Das ist drin:

  • 0 Minuten
  • 0 Wörter

Sie sind bereits Abonnent?

Klicken Sie hier, um sich einzuloggen

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.10.2012)

Die Presse - Testabo

Testen Sie jetzt „Die Presse“ und „Die Presse am Sonntag“ sowie das „Presse“-ePaper und sämtliche digitale premium‑Inhalte 3 Wochen kostenlos und unverbindlich.

Jetzt 3 Wochen testen
Meistgelesen