Mutter und der Bleistift

Einmal fuhren die Mutter und ich mit einem Boot... Vom Wunsch, gemeinsam unterzugehen und gemeinsam zu ertrinken und alle anderen allein zurückzulassen. – Für meine Mutter, sie starb vor einem Jahr.

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Buntstifte – (c) Clemens Fabry

Mit der Erzählung „Wunschloses Unglück“ von PeterHandke in meiner ledernenUmhängetasche, dem rotenNotizbuch und mit der Pelikan-Füllfeder in der Hand, abwechselnd lesend und schreibend, sitze ich in der indischen Stadt Pune in der Halle eines Gemüsemarktes und denke an meine Mutter, an ihren Gemüsegarten am Fußende des kreuzförmig gebauten Dorfes, an der Friedhofsmauer, gegenüber der Kirche. Gleichzeitig mischt sich immer wieder, hin- und herpendelnd zwischen Buch und eigenem Schreiben, ein Zeitungsartikel aus der „Hindustan Times“ ein, den ich den ganzen Tag in Pune nicht loswerden konnte: Ein zehnjähriges Mädchen in Bangalore, das von der Schule kam und sich ins Gebüsch begab, um zu urinieren, fiel einem Racheakt von vier Männern, die mit dem Vater des Kindes in Konflikt waren, zum Opfer. Die Männer übergossen das Mädchen mit Kerosin und zündeten es an. Seine Haut soll zu fünfundsiebzig Prozent verbrannt sein. Es ringe mit dem Tod.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.12.2012)

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