Inneres Ausland

Wir sind uns bei all unserer Weltoffenheit und Versiertheit mehr denn je Fremde und bekämpfen im Außen das, was wir im Innen nicht an uns selbst kennen. Über die Angst, die uns leitet – und über dieHoniglieferantin Sprache.

Alle Grenzen sind Einübungen in die Grenzenlosigkeit. Die Vorläufigkeit all unserer Beheimatungen erschien mir durch frühe Erfahrungen in Kindheit und Jugend naturgemäß, etwa so, wie wir die Jahreszeiten erleben, der Sommer kommt und geht, er kann nicht warten. Die „ringförmige Welt“, wie es einmal bei Heinrich von Kleist heißt, kennt solches Zeitgefühl nicht. Am nachdrücklichsten und bis ins Innerste rührend hat diesen Prozess Rainer Maria Rilke 1923 in einem Brief an Duchesse Aurelia Gallarati Scoti mit diesen Worten beschrieben: „Wir werden sozusagen vorläufig geboren, irgendwo; erst nach und nach fügen wir, in uns, den Ort unseres Ursprungs zusammen, um hier nachträglich und jeden Tag endgültiger geboren zu werden.“

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.12.2012)

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