Über den Wert alter Gehirne

Die modernen Neurowissenschaften lassen keinen Zweifel: Wir sind nicht mehr als unser Gehirn. Doch was bedeutet das für den demenzgefährdeten alten Menschen – und für die Neurochirurgie?

Das Hirn und Ich
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Das Hirn und Ich
'Das Hirn und Ich'. – ORF

Iam my brain.“ „Ich bin mein Gehirn.“Dieser Satz des amerikanischen Philosophen Thomas Nagel (in seinem Buch „The View from Nowhere“, „Der Blick von nirgendwo“, 1986) klingt heute für viele Philosophen und Hirnforscher keineswegs mehr paradox, sondern wird im Gegenteil als selbstverständlich vorausgesetzt. Nagel äußert seinen Standpunkt noch mit Vorbehalt: „And it is a possible hypothesis that I am my brain.“ Das bedeutet, wenn ich den Autor recht verstehe, dass er zumindest die Möglichkeit einräumt, als Person, die mit Bewusstsein und Selbstbewusstsein begabt ist, mehr zu sein als das eigene Gehirn. Falls er jedoch – wovon er ausgeht – tatsächlich nicht mehr sein sollte als sein Gehirn, müsste sich dieser Umstand aus demonstrierbaren Tatsachen ableiten und daher als eine Hypothese, eine empirisch gestützte Vermutung, formulieren lassen. Anders gesagt: Die Frage, ob wir als Personen mit unserem Gehirn identisch sind oder nicht, wird folglich als ein Problem betrachtet, das im Rahmen der Wissenschaft zu lösen wäre.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.01.2013)

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