Lust und Angst: Sexpuppen in der Kunst

Sie wurden in Kutschen gefahren, dienten als Fetisch oder schlicht als Modell, das man nach Bedarf benutzen, verrenken oder gar köpfen konnte: Sexpuppen in der Kunst – über Kokoschka, Bellmer, Duchamp.

Mann begehrt Sexpuppen Kunst
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Mann begehrt Sexpuppen Kunst
Der Nachbau von Kokoschkas Alma-Puppe von 2008 – (c) APA (HELMUT FOHRINGER)

Der Anblick war ernüchternd: Plump und plüschig wie ein monströses Stofftier lehnte „Alma“ an der Wand. Das sollte eine der berühmtesten Sex-Dolls der Kunstgeschichte sein, nachgebaut für eine Kokoschka-Ausstellung im Belvedere 2008? Aber auch Hans Bellmers fetischistische Puppenfragmente oder Duchamps erleuchtete Exhibitionistin hinter dem Guckloch zeugen nicht von dumbem Sexshop-Charme. Die Sexpuppe in der Kunstist ein äußerst ambivalentes „Spielzeug“. Verkörpert sie doch gleichzeitig die Lust auf wie die Angst vor dem, was man begehrt. Was Mann begehrt. Männliche Puppen, geschaffen oder im Auftrag von Künstlerinnen, sind nicht allgemein bekannt, zumindest nicht als erotische Fetischobjekte. In der Kunstgeschichte haben Puppen als Ersatz für die reale Frau dafür eine uralte Tradition, geprägt von der Pygmalion-Geschichte aus Ovids Metamorphosen: Dem tugendhaften Pygmalion waren alle Frauen zu minder, worauf er sich die ideale aus Elfenbein schnitzte – und sich in sie verliebte. Worauf diese unter Aufsicht der Göttin Venus natürlich sofort zum Leben erwachte. Und ihrem Schöpfer sogar ein Kind gebar.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.01.2013)