Als das Backrohr kalt blieb

Kein Gas mehr in der Leitung – wer kann sich heute schon vorstellen, was das bedeutet? Ich habe sie erlebt, die Gassperrzeiten, damals, im langen Winter 1946/47. Eine Erinnerung.

Die Indianerkrapfen mit ihrem Schokoladeguss und der Schlagobersfülle sahen zum Anbeißen aus – lecker, wie die von permanentem deutschem Fernsehen verbal misshandelten Kinder heute sagen würden. Die Serviererin, von der die Mehlspeise auf einem Tablett dargeboten wurde, war nicht minder „lecker“ mit ihrem Spitzenhäubchen und der weißen Schürze. Sie offerierte die Wiener Kreation leider nur auf einem Plakat. Die Aufschrift darunter beutelte unsereinen blitzschnell in die Gegenwart zurück: „Wenn Sie das noch erleben wollen, beachten Sie bitte die Gassperrzeiten.“ Dasselbe sagte der Selchermeister, der hinter einem Tisch voll der verführerischsten Würste stand, mit einem Papier in der Hand, während er mit der anderen eine Schnitte Extrawurst zeigte. „Darf's ein bisserl mehr sein?“, fragte er. Und wieder: „Wenn Sie das noch erleben wollen, beachten Sie bitte die Gassperrzeiten.“

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.01.2009)

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