Rache und Reue

Tina Leisch zeigt die Lebenswelt junger, straffällig gewordener Frauen, widersteht aber der Konvention, sie auf den Alltag hinter Gittern, in der Justizanstalt Schwarzau, einzugrenzen. Demnächst im Kino: „Gangster Girls“, ein Dokumentarfilm über Frauen, auf die es ankommt.

Vor einem Jahr hat der deutsche Schriftsteller Bruno Preisendörfer über „Leute, auf die es nicht ankommt“ geschrieben. Das heißt, eigentlich hat er sich nicht über solche Menschen, aus der Unterschicht, vom Rand der Gesellschaft, geäußert, sondern über die Art des öffentlichen Umgangs mit ihnen. Darüber, dass sie zwar zu Wort kommen, in kritisch gemeinten Sendungen, aber keine Deutungsmacht über sich selbst besitzen: Zur Interpretation ihrer Situation werden Experten befragt, Sozialarbeiter, Juristinnen, Ökonomen, die mit ihren Statements die als ungenügend erachteten Eigenbeschreibungen der Bedürftigen für die Zuseher oder Zuhörer in gültige Sätze übertragen. „Wenn auf der Seite der Hilflosigkeit ,wir‘ gesagt wurde, handelte es sich um das ,wir‘ der Demütigung. Wenn auf der Seite des Bescheidwissens von ,wir‘ gesprochen wurde, war es das ,wir‘ des Mitleids von überlegener Warte. Das ,wir‘ der Armen beschränkte sich schamvoll auf die eigene Familie und wagte es nicht, die Zuschauer dabei mitzumeinen. Das ,wir‘ der Armutsexperten trat als Pluralis Majestatis des öffentlichen Meinens auf, schloss die Zuschauer darin ein und die Dargestellten davon aus.“

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.03.2009)

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