Das Verbrechen heißt Ignoranz

Über NSA und Nahost und den alten Kreisky, über meine Heimat, den Irak, über ein Europa 2015 im Unfrieden und meine eigene verwobene Geschichte. Der Widerstand: eine Rede.

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Der Bruno-Kreisky-Preis für das Politische Buch ist der erste bedeutende Preis überhaupt, der mir verliehen wird. Er kommt zu einem Zeitpunkt, über den ich mich mit all seinen Implikationen und zufälligen Überschneidungen für mich nur freuen kann, gerade als Autor, der nur ungern ein Notizbuch mit sich herumträgt. Mein kreatives Credo lautet nämlich: Was das Gedächtnis nicht aufbewahrt, taugt nicht, erzählt zu werden! Und ich brauche auch wirklich nur einmal den Startknopf meines Gedächtnisses zu drücken, schon sprudeln die Geschichten wie aus einem Wasserhahn hervor – weniger, um den Durst nach einem Wiederauflebenlassen vergangener Erinnerungen zu stillen, die wie süße Qualen auf meinem Herzen lasteten, wie bei jemandem, der sich im heißesten Sommer an kühlem Wasser labt, sondern weil es mir Freude bereitet, mein Vergnügen am Erzählen mit der Welt zu teilen, es ist ein Ausdruck von Großherzigkeit, wie das Erzählen überhaupt. Sehen wir uns doch nur einmal an, wie Liebende sich gerade in den Tagen der ersten Verliebtheit mit süßen Wasserströmen übergießen, die sich einen Weg in ihre Herzen bahnen. Und wer erzählt, wird zwangsläufig auch erkennen, wo sich seine Geschichte mit denen der anderen überschneidet. Viele Zufälle. Obwohl es laut RobertMusil ja keine Zufälle gibt, sondern nur eine Menge sich begegnender Möglichkeiten. Oder, um mit Ingeborg Bachmann zu fragen: „Wann begegnen sich unsere beiden Geschichten?“

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.03.2015)

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