Das letzte Kapitel

„Wir Kinder hungerten so sehr, dass wir auf allen Vieren zum Misthaufen neben der Küche krochen. Dort sammelten wir Kartoffelschalen ein und brachten sie unseren Müttern, damit sie das, was noch daran zu kochen war, für uns wärmen konnten.“ Ungarisch-jüdische Zwangsarbeiter in Wien: eine Erinnerungsfahrt.

Es wäre eine ganz normale Busfahrt durch Wien gewesen, von der Leopoldstadt nach Favoriten. Wäre da nicht diese flattrige, gebrochene Stimme, die aus dem Lautsprecher dringt. „Bitte schön, gnädige Frau, bitte Brotmarken, so habe ich auf der Straße – wo ich gar nicht sein durfte – die Leute angesprochen“, berichtet Pearl Zimmerman von ihrem Erlebnis als 12-jährige Zwangsarbeiterin. „Einige haben mir auch Marken gegeben. Einmal wurde ich von unserer Aufseherin erwischt, da sperrte sie mich zwei Tage in einen dunklen Keller ohne Wasser und Brot.“ Die Mutter der kleinen Pearl musste der unerbittlichen Frau Zigaretten und ihr mühsam Erspartes geben, um das Mädchen freizukaufen.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.06.2015)

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