So viel Anfang vom Ende

Warum der Eiserne Vorhang zweimal fiel. 27. Juni 1989: Alois Mock und Gyula Horn bei Klingenbach. Von der Macht der Symbole – und wie das Wirkliche hinter dem Vermeintlichen verschwindet.

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(c) APA (Robert Jäger)

Gut mannshoch ist er, der Betonquader, der sich an der frostbrüchigen Straße zwischen Sopron und Sankt Margarethen aus der Grenzflur schiebt. Ein wenig trotzig steht er da, knapp schon ungarisch, gerade nicht mehr österreichisch, wie einer, der sich seiner selbst nicht recht sicher ist und seine Verzagtheit hinter umso wuchtigerer Physis zu verbergen sucht. Immerhin, wovon die granitene Tafel an seiner dem Burgenland zugewandten Seite kündet, das ist historisch keine Kleinigkeit: „An dieser Stelle durchschnitten am 27. Juni 1989 die Außenminister Alois Mock für Österreich und Gyula Horn für Ungarn den sogenannten ,Eisernen Vorhang‘.“ Und irgendwie ist ja auch was Wahres dran: Tatsächlich haben die Herren Mock und Horn am 27. Juni 1989 den Eisernen Vorhang durchschnitten. Nur halt nicht „an dieser Stelle“, sondern gut sechs Kilometer weiter im Westen, nächst Klingenbach. Und tatsächlich waren die Herren Mock und Horn „an dieser Stelle“. Nur halt erst 15 Jahre später, um das zu feiern, was sie „an dieser Stelle“ gar nicht getan hatten.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.06.2009)

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