Brusatti trifft Mayröcker: Ein Kontinent namens F.M.

„Ich schreibe so, wie Francis Bacon malt. Und selbst wenn mir da jetzt nicht viele zustimmen werden. Macht gar nichts.“ Friederike Mayröcker – Protokoll einer Audienz.

Ich wäre gern Maler geworden.
(Rückfrage des Gegenübers, sie unterbrechend, eifrig auf geschlechtsgerechte Sprachrichtigkeit bedacht: Malerin wohl?)
Nein, Maler. Das heißt eben so und immer schon.
(Rückfrage des Gegenübers, im Café, verblüfft, aus den weichen, schäbigen Polstern, spätnachmittags: Und die Gender-Exaktheit, die Höflichkeit vor den unterschiedlichen Menschen?)
Ich bin keine so genannte Feministin.
F.M. im Café, sie macht eine Insel um sich herum.
Wo sie sitzt, entsteht sofort ein winziger Kontinent, ein strenger, poetischer, vieles Alltägliche abweisender.
Oft lächelt sie, oft ärgert sie sich.
Alle diese Gender-Sachen sind sprachlich furchtbar hässlich.
Wir einigen uns, unserem Gespräch mit Zitaten, Antworten und allen Poesievorgriffen eine Bezeichnung zu geben: Friederike Mayröcker – ein Befund im Augenblick und Typisierungen aus ihrer Literatur zugleich.
Mögen die Leute damit was anfangen oder auch nicht.

Das ist drin:

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  • 1592 Wörter

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.04.2017)

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