Verdrängte Kinderpädagogik: Toni und das Messer

Bis heute ist sie uns nicht fremd: die Vorstellung, Erziehung funktioniere einzig auf Basis von Belohnung und Bestrafung. Schon im Wien der 1920er sahen das manche anders. August Aichhorn, Rosa Dworschak und eine verdrängte Tradition hiesiger Kinderpädagogik.

Psychoanalyse für Hilfsarbeiter, Arbeitslose, Bettgeher, Dienstboten: „Negerdörfl“, Wien-Ottakring.
Schließen
Psychoanalyse für Hilfsarbeiter, Arbeitslose, Bettgeher, Dienstboten: „Negerdörfl“, Wien-Ottakring.
Psychoanalyse für Hilfsarbeiter, Arbeitslose, Bettgeher, Dienstboten: „Negerdörfl“, Wien-Ottakring. – (c) Bezirksmuseum Ottakring

Toni ist acht Jahre alt. Vor einigen Monaten hörte er auf, seine Hausaufgaben für die Schule zu machen, zu Hause führte er sich wild auf, und seine Mutter bemerkte bald, dass er auch immer wieder die Schule schwänzte. Besorgt suchte sie den Lehrer auf und fragte, was denn da los sein könnte. Der Lehrer beruhigte sie und machte ihr den Vorschlag, sich des Buben einfach mehr anzunehmen und mit ihm zu reden. Die Mutter bemühte sich um Toni und belohnte ihn für alles, was aus ihrer Sicht gut lief. Doch es wurde alles nur noch ärger. Toni zuckte noch viel mehr aus als vorher. Dem Vater riss die Geduld, er war dem Rat des Lehrers schon vorher skeptisch gegenübergestanden, und schlug das Kind. Tonis Verhalten änderte sich. Er machte wieder seine Hausaufgaben und war weniger schlimm. Eine Woche lang. Dann ging alles wieder von vorne los.

Das ist drin:

  • 9 Minuten
  • 1649 Wörter
  • 1 Bild

Sie sind bereits Abonnent?

Klicken Sie hier, um sich einzuloggen

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.08.2017)

Die Presse - Testabo

Testen Sie jetzt „Die Presse“ und „Die Presse am Sonntag“ sowie das „Presse“-ePaper und sämtliche digitale premium‑Inhalte 3 Wochen kostenlos und unverbindlich.

Jetzt 3 Wochen testen
Meistgelesen