Der Fall Dalton

8000 Familien in El Salvador warten auf Nachricht über ver- schwundene, tote Angehörige. Doch die Linke des Landes tut sich schwer mit der „Auf- arbeitung der Geschichte“. Einer der Toten: Roque Dalton, El Salvadors Nationaldichter, der 1975 von den eigenen Genossen ermordet wurde.

Er stammte aus einem Land, das so klein ist, dass es seiner Beschreibung zufolge „weder Norden nochSüden hat“, und gilt als einer der größten Dichter aller Zeiten: der Schriftsteller und Revolutionär Roque Dalton, der dieser Tage 75 Jahre alt geworden wäre. Am 10. Mai 1975, vier Tage vor seinem 40. Geburtstag, wurde er erschossen, aber nicht im Auftrag seiner Feinde, der Diktatoren und Oligarchen seines Heimatlandes El Salvador, sondern von den eigenen Genossen der Revolutionären Volksarmee ERP, die sich fünf Jahre später mit vier weiteren Guerillaorganisationen zur FMLN, der Nationalen Befreiungsfront Farabundo Martí, verbünden sollte. Dann begann der Befreiungskrieg gegen die Militärs und Todesschwadronen, der 1992 mit 70.000 Toten und der moralischen Erschöpfung aller Überlebenden enden sollte.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.05.2010)

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