„Do obi und durt aufi!“

Einst waren sie Vorzeigeprojekte, Symbole für den voranschreitenden Wiederaufbau. Heute haben die Fußgängerpassagen unter dem Wiener Ring vielfach ihre Funktion und damit ihre Identität verloren. Nachrichten aus dem Wiener Untergrund.

Do obi und durt aufi!“ Die Benützung der neuen Unterführungen musste manchen Passanten der Ringstraße erst erklärt werden – damals, in den 1950er- und 1960er-Jahren, als Wien daranging, seinen Verkehr neu zu organisieren. Autos und Straßenbahnen wurden zu privilegierten Verkehrsteilnehmern erklärt, die Fußgänger in die Tiefe verbannt. Für sie galt es, umzulernen und sich daran zu gewöhnen, die wohl mondänste Straße der Stadt an einigen Stellen nicht mehr ober-, sondern ausschließlich unterirdisch zu queren. Insgesamt fünf Passagen sollten zwischen Oper und Schottentor errichtet werden. Wobei die Stadtplaner mit dem Ausdruck „Passage“ bewusst an die großzügigen metropolitanen Transiträume des 19. Jahrhunderts und ihre ästhetische Programmatik anknüpften. Heute nur mehr in Resten vorhanden, markieren die Wiener Ringpassagen auch auf symbolischer Ebene eine wichtige Etappe im Umgang mit dem öffentlichen Raum.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.10.2010)