Aus meiner Werkstatt

Schreiben, das ist auch Handwerk und Technik. Das ist auch Säge, Axt und Wasserwaage. Über den Werkzeugkasten des literarischen Schreibens.

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1. – Wenn einem nur etwas einfällt! Jeden Morgen aufs Neue hebt ein Wortsturm an, verstärkt sich und fegt über die Kontinente. Aus allen Lautkästen heraus kommen die zu Würsten gefertigten Wörter, zumeist als Meinungen, als Verlautbarungen, als Warnmelder, als Beschwichtigungsgenuschel, alsKommandos; unentwegt verschwinden siein unseren Ohren, um hernach ihre Wirkungen zu entfalten, den Lebensgeistern Striegel zu sein und Harke. Man lebt. Und es fällt einem nichts ein. In der Morgenfrüh scheinen dem sein Tagwerk beginnen wollenden Autor die auf Halde liegenden Wörter dortselbst zu vergammeln, da er sich nicht zu entscheiden vermag, welche der zur Verfügung stehenden aus der Garage gefahren werden können, welche überhaupt zu Gebot stehen, um was für einen Gedanken zu bilden, was für eine Idee zu verfolgen. Mitten im Wortsturm sitzt der Mensch wie einSchweigepfropfen in seiner Küche, im Kaffeehaus, hinterm Schreibtisch. Wohl hat er womöglich die Lautkästen seiner nahenUmgebung, soweit es ihm möglich ist, außer Betrieb gesetzt, doch längst hat sich das Gequatsche der Welt als Partikel bis in die Atemluft ausgebreitet, es besiedelt zunehmend die Auren, die jeweils jeden Menschen umschmiegen. Wir können uns den Autor als grundelnden Karpfen vorstellen, der imWortwasser steht, seinMaul auf- und zumacht und den Schweigeblasen nachschaut, dieseinem automatischenMundwerk entweichen.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.02.2011)

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